Lagebericht
Konzernlagebericht

2.2 Wirtschaftliches Umfeld

Gesamtwirtschaft

Die Weltwirtschaft hat sich im Jahr 2010 von der tiefen Rezession schneller als zunächst erwartet erholt. Die gesamtwirtschaftliche Produktion lag im Jahr 2010 deutlich über der des Vorjahres, wobei nach einem kräftigen Wachstum in der 1. Jahreshälfte die wirtschaftliche Dynamik in der 2. Jahreshälfte nachließ. Dies war vor allem die Folge auslaufender Konjunkturprogramme sowie erhöhter Sparbemühungen der hoch verschuldeten privaten und öffentlichen Haushalte in einer Reihe von Industrieländern. Zudem verharrte die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern auf hohem Niveau. Die Auswirkungen der noch nicht vollständig überwundenen Finanzkrise haben die Wirtschaft weiterhin belastet, während die anhaltend expansiv ausgerichtete Geldpolitik die Konjunktur in vielen Ländern weiter gestützt hat.
Die konjunkturelle Entwicklung verlief im Jahr 2010 regional sehr unterschiedlich, wobei sich die Wachstumsraten in den letzten Monaten des Jahres 2010 in fast allen Regionen verringert haben. Relativ dynamisch war das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern Asiens und Lateinamerikas. Sie blieben ein wesentlicher Treiber der globalen wirtschaftlichen Erholung. Auch die Industriestaaten haben sich im Vergleich zu 2009 deutlich erholt, dennoch waren die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise in einigen Ländern auch 2010 noch zu spüren. Der Anstieg der Wachstumsraten in den USA und Japan hat sich bereits im Frühjahr 2010 verlangsamt. Der Produktionszuwachs in der EU ließ in der 2. Jahreshälfte nach. Insgesamt konnte hier dank des kräftigen Wachstums in Deutschland noch ein moderates Wachstum erzielt werden.

HealthCare

Der Markt für verschreibungspflichtige Arzneimittel erreichte im Jahr 2010 ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich. In den USA sowie in den großen europäischen Ländern verlangsamte sich das Wachstum. Ursächlich hierfür waren u. a. die restriktiveren gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die eine stärkere Kostenkontrolle forcieren, den Zugang zu bestimmten Behandlungen einschränken, aber auch zum Teil Zwangsrabatte zur Folge hatten. In den Schwellenländern war ein anhaltendes Wachstum zu beobachten, da dort die Gesundheitsdienste für immer größere Teile der Bevölkerung verfügbar werden und somit der Bedarf an verschreibungspflichtigen Arzneimitteln steigt.
Das weltweite Wachstum des Consumer-Care-Marktes hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht abgeschwächt. Die schwache Grippesaison in Europa und Nordamerika war trotz der starken Nachfrage nach Consumer-Care-Produkten in China und Indien die Hauptursache für die Verringerung des globalen Marktwachstums. Der Diabetes-Care-Markt erzielte wegen des hohen Preisdrucks in den USA trotz der guten Entwicklung in Lateinamerika und Asien insgesamt kein spürbares Wachstum. Der Animal-Health-Markt konnte mit einem Zuwachs im mittleren einstelligen Bereich wieder an das langfristige Durchschnittswachstum anknüpfen.

CropScience

Der globale Saatgut- und Pflanzenschutzmarkt entwickelte sich im Jahr 2010 sehr unterschiedlich. Während die Nachfrage der Landwirte nach hochwertigem Saatgut insgesamt weiter spürbar angestiegen ist, wurde für den globalen Pflanzenschutzmarkt nur ein sehr geringes Wachstum verzeichnet.
Der relativ lange Winter und ein in weiten Teilen zu feuchtes Frühjahr reduzierten die Nachfrage nach Pflanzenschutzprodukten in Nordamerika und in Europa insbesondere in der 1. Jahreshälfte. Mit der gesamtwirtschaftlichen Erholung verbesserten sich ab der Jahresmitte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Landwirte. Eine wachsende Nachfrage, in Kombination mit witterungsbedingten Ernteausfällen, beispielsweise in Russland oder Zentralasien, ließen die Erzeugerpreise für die wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturen ansteigen. Diese Effekte kamen aber zu spät, um die rückläufige Marktentwicklung in der nördlichen Hemisphäre zu kompensieren, jedoch rechtzeitig, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit Beginn der Hauptsaison in Lateinamerika positiv zu beeinflussen. Ebenso entspannten sich dort die im Zuge der Finanzkrise entstandenen Liquiditätsengpässe vieler Agrarbetriebe deutlich. Der Markt in Asien/Pazifik stagnierte im abgelaufenen Jahr, allerdings war die Entwicklung innerhalb der Region uneinheitlich. Während Japan und China insbesondere aufgrund ungünstiger Witterung einen Rückgang bzw. stabilen Markt verzeichneten, profitierte der Pflanzenschutzmarkt in Indien von günstigen Monsun-Bedingungen und in Australien von der Erholung der Landwirtschaft nach jahrelang anhaltender Trockenheit.

MaterialScience

Die für MaterialScience relevanten Abnehmerbranchen konnten sich im Jahr 2010 von den deutlichen Umsatzeinbrüchen des Jahres 2009 erholen. Trotz einer leichten konjunkturellen Abkühlung in der 2. Jahreshälfte 2010 erwies sich die internationale Nachfrage als stabil.
Die Automobilindustrie hat im Geschäftsjahr 2010 die Absatzkrise des Vorjahres schneller als erwartet überwunden. Insbesondere in den asiatischen Märkten und in Russland entwickelte sich das Neuwagengeschäft positiv. Auch in den USA legten die Verkaufszahlen wieder stärker zu. In Westeuropa blieb die Pkw-Nachfrage hingegen erwartungsgemäß noch unter den prämiengestützten hohen Vorjahreswerten. Jedoch zeichnete sich auch hier eine Verlangsamung der Absatzrückgänge ab.
Nach dem Schrumpfen des Elektromarktes im vergangenen Krisenjahr wurde im Jahr 2010 wieder ein kräftiges Wachstum erzielt. Während die Industriestaaten von regionalen Förderprogrammen profitierten, z. B. im Bereich Infrastruktur und E-Mobility, setzte sich das starke Wachstum in den Schwellenländern aufgrund steigender Nachfrage nach elektronischen Konsumgütern weiter fort.
Die globale Bauwirtschaft stagnierte 2010 bei unterschiedlicher regionaler Entwicklung. Während in Westeuropa, USA und Japan weiterhin eine Schrumpfung zu verzeichnen war, erzielten die Schwellenländer – insbesondere China, Indien und Brasilien – robuste Wachstumsraten.
Die wirtschaftliche Situation der Möbelindustrie hellte sich im Laufe des Jahres 2010 mehr und mehr auf. Der Grad der Erholung verlief allerdings regional sehr unterschiedlich. Während die Möbelproduktion in Nordamerika und in einzelnen Ländern Westeuropas weiterhin mit Absatzproblemen zu kämpfen hatte und hier nur verhalten zunahm, profitierte sie in Asien u. a. von der robusten Binnennachfrage in China und der sich allmählich wieder belebenden globalen Nachfrage nach preiswerten Möbeln.
Letzte Änderung: 28. Februar 2011

http://www.geschaeftsbericht2010.bayer.de/de/wirtschaftliches-umfeld.aspx

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