Lagebericht
Konzernlagebericht

11.2 Strategie

Geschäftsstrategie

Der Bayer-Konzern fokussiert sich unter seinem Leitbild „Bayer: Science For A Better Life“ auf die wachstumsstarken und innovationsgetriebenen Bereiche Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Die strategische Ausrichtung auf diese attraktiven Märkte und die Konzentration auf unsere Kernkompetenzen ermöglichen uns Investitionen in Wachstumsfelder und innovative Technologien. Wir wollen auch weiterhin führende Rollen einnehmen und die vorhandenen starken Marktpositionen konsequent ausbauen. Zusätzlich setzen wir unsere Anstrengungen zur Kosteneinsparung und Effizienzverbesserung fort, um den Unternehmenswert von Bayer weiter zu steigern. Dabei verfolgen wir eine langfristige Wachstumsstrategie mit dem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftens.
Zur Stärkung der Investitionen in weiteres Wachstum ist geplant, 800 Mio € pro Jahr ab 2013 einzusparen. Davon soll rund die Hälfte reinvestiert werden. Bis Ende 2012 fallen voraussichtlich Einmalkosten in der Größenordnung von 1 Mrd € an – ein Teil davon bereits im 4. Quartal 2010. Im Rahmen dieses Programms sollen bis Ende 2012 per saldo rund 2.000 der weltweit 111.400 Arbeitsplätze entfallen. Einem Abbau in einer Größenordnung von 4.500 Stellen – davon rund 1.700 in Deutschland – steht im selben Zeitraum ein Aufbau von rund 2.500 Arbeitsplätzen – vor allem in den Schwellenländern – gegenüber.

HealthCare

Ziel von HealthCare ist es auch weiterhin, in allen Segmenten mit oder über dem Markt zu wachsen. HealthCare soll dabei weiter gestärkt und zu einem weltweit führenden diversifizierten Healthcare-Unternehmen ausgebaut werden. So wollen wir langfristig den Umsatz in den Consumer-Health-Bereichen weiter stärken und den Fokus im Segment Pharma noch stärker auf Spezialpharmazeutika legen, insgesamt die Produktivität von Forschung und Entwicklung weiter erhöhen und den Schwellenländern ein noch stärkeres Gewicht beimessen. Dadurch entsteht in den kommenden Jahren ein hoher Investitionsbedarf. Die notwendigen finanziellen Mittel sollen u. a. durch gezielte Umschichtung von Ressourcen sowie durch Effizienz- und Sparmaßnahmen aufgebracht werden. So planen wir, bis zum Ende des Jahres 2012 bei HealthCare rund 1.800 Arbeitsplätze abzubauen – hauptsächlich in unserem Pharmabereich und dem Medical-Care-Geschäft in den USA sowie in den gemeinsam genutzten Verwaltungsfunktionen innerhalb von HealthCare. Im Gegenzug werden wir rund 1.500 neue Arbeitsplätze in den Schwellenländern und für Produkteinführungen schaffen.
Unser umsatzstärkstes Segment – Pharma – fokussiert seine Aktivitäten auf Medikamente, die vorwiegend von Fachärzten verschrieben werden aus den Bereichen Frauengesundheit, Kardiologie, Onkologie, Hämatologie und Diagnostische Bildgebung sowie auf Spezialtherapeutika beispielsweise gegen Multiple Sklerose. Darüber hinaus umfasst unser Portfolio Arzneimittel, die vorwiegend von Allgemeinärzten verschrieben werden.
Wir wollen uns auch in Zukunft verstärkt Krankheiten mit hohem medizinischen Bedarf zuwenden, bei denen große Chancen zur Verbesserung von Diagnose und Therapie bestehen. Ein wichtiger Wachstumsmotor für unser Segment Pharma ist daher Forschung und Entwicklung (F & E). Aus diesem Grund entfällt der größte Teil des F & E-Budgets auf das Segment Pharma. Einlizenzierungen sowie Allianzen und Kooperationen sollen dabei unser Portfolio zusätzlich stärken und unsere eigenen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ergänzen. Ein Beispiel aus dem Jahr 2010 ist das Forschungs-, Entwicklungs- und Vermarktungsabkommen für neuartige Therapeutika gegen Krebsstammzellen mit dem kalifornischen Unternehmen OncoMed Pharmaceuticals, Inc., USA.
Im Pharmamarkt nehmen wir in vielen Schwellenländern, insbesondere in China und Russland, bereits heute eine führende Stellung ein. Ein wesentliches Element der Pharma-Strategie ist der gezielte Ausbau unseres Geschäfts in den Schwellenländern. So konnten wir z. B. 2010 in China mit der Vermarktung von Betaferon™ zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Form der Multiplen Sklerose (MS) beginnen.
In unserem Segment Consumer Health konzentrieren wir uns auf verschreibungsfreie Medikamente, Dermatologie-Produkte, Produkte zur Blutzuckermessung, das Medizingerätegeschäft sowie auf den Bereich Tiergesundheit.
Ziel der Division Consumer Care ist es, unsere Position im weltweiten Markt für rezeptfreie Medikamente (OTC) weiter auszubauen. Dabei zielt die Strategie von Consumer Care darauf ab, das Wachstumspotenzial bewährter Marken, wie z. B. Aspirin™ , zu nutzen. Wir verfolgen einen klaren Expansionskurs in Wachstumsregionen wie Zentral- und Osteuropa sowie Asien/Pazifik und wollen unser Geschäft in Bereichen mit Wachstumspotenzial weiter stärken. Auch in Zukunft beabsichtigen wir, durch strategisch relevante Übernahmen und Einlizenzierungen externe Wachstumschancen zu verfolgen. Das exklusive Lizenzabkommen mit AstraZeneca PLC über die Vermarktung von Omeprazol als rezeptfreies Arzneimittel zur Behandlung von Sodbrennen unter den Handelsnamen Losec™ Pro, Antra™ oder Mopralpro™ stellt eine derartige Wachstumschance dar. Wir vermarkten das Arzneimittel derzeit in sieben Ländern und weitere Markteinführungen sind geplant.
Strategie der Division Medical Care ist es, die Wettbewerbsposition in den Bereichen Blutzuckermessung, Diabetes-Management und Injektionssysteme für Kontrastmittel sowie Systeme zur Behandlung verengter oder verschlossener Gefäße (Thrombektomie) auszubauen. Darüber hinaus streben wir auch in Zukunft an, unser Portfolio durch Investitionen in zusätzliche Geschäftsfelder und geographische Regionen weiter zu verstärken und uns durch strategische Partnerschaften zu ergänzen. Wir beabsichtigen, neben einer kontinuierlichen Verbesserung unserer Produkte auch Kostensenkungen und einen noch effizienteren Ressourcen-Einsatz zu erreichen. Unser Produktangebot wollen wir durch die Entwicklung neuer Blutzucker-Messsysteme sowie innovativer Lösungen weiter ausbauen, um Menschen mit Diabetes ein verbessertes Management ihrer Krankheit zu ermöglichen. In unserem Medizingeräte-Geschäft mit Injektionssystemen für Kontrastmittel und Thrombektomie-Systemen setzen wir im Bereich der Radiologie die Entwicklung unserer Basisprodukte fort. Darüber hinaus entwickeln wir neue Software-Produkte und IT-basierte Service-Lösungen zur Verbesserung der Kontrastmitteldosierung sowie der klinischen Arbeitsabläufe in der Verarbeitung von Diagnosedaten und -bildern.
In der Division Animal Health wollen wir unsere starke Position im Haus- und Nutztiermarkt weiter ausbauen. Unsere Strategie zielt darauf, organisches Wachstum durch eine Fokussierung auf Länder und Märkte mit nachhaltigem Umsatzpotenzial und ein erfolgreiches Lebenszyklus-Management vorhandener Kernmarken zu erreichen. Zusätzlich verfolgen wir externe Wachstumschancen durch Akquisitionen und Einlizenzierungen. So haben wir z. B. im Geschäftsjahr 2010 eine innovative, orale Verabreichungstechnologie für Tierarzneimittel von der amerikanischen Firma Piedmont Pharmaceuticals, LLC. erworben. Die Akquisition der neuseeländischen Bomac Group, einem innovativen Hersteller von Tierarzneimitteln vor allem im Nutztierbereich, soll unser Geschäft insbesondere in der Region Asien/Pazifik stärken. Um einen langfristigen Erfolg sicherzustellen, wollen wir verstärkt auf eigene Neuentwicklungen von Produkten setzen.

CropScience

CropScience richtet seine Unternehmensplanung an den langfristigen Trends der Agrarmärkte aus und verfolgt das Ziel, als ein führendes innovationsorientiertes Unternehmen Produkte und kundenorientierte Lösungen für die Erzeugung kostengünstiger und qualitativ hochwertiger Nahrungs- und Futtermittel, Pflanzenfasern und Energiepflanzen anzubieten. Vor dem Hintergrund begrenzter Anbauflächen, des voranschreitenden Klimawandels und einer stetig wachsenden Weltbevölkerung gilt es, die Ernteerträge zu sichern und weiter zu steigern. Wir führen unser Geschäft verantwortungsbewusst im Sinne unseres Bekenntnisses zur nachhaltigen Entwicklung und mit dem Ziel, langfristig Wachstum mit attraktiven Renditen zu erzielen.
Wir sind bestrebt, unseren Kunden umfangreiche Komplettlösungen anzubieten und entwickeln aus diesem Grund aufeinander abgestimmte, nachhaltige Konzepte für einzelne Anbaukulturen in den unterschiedlichen Regionen, die von der Aussaat bis zur Ernte reichen. Unser kundenorientierter Ansatz umfasst dabei sowohl Saatgut, optimierte Pflanzeneigenschaften und Pflanzenschutzmittel als auch begleitende Serviceleistungen und Partnerschaften entlang der Lebensmittelwertschöpfungskette.
Innovation ist die Basis für die Wertschöpfung von CropScience. Die Entwicklung neuer Wirkstoffe und Formulierungen sowie von qualitativ hochwertigem Saatgut bietet die Möglichkeit, Produkte mit verbessertem Leistungsspektrum, besserer Umweltverträglichkeit und Anwendersicherheit sowie höherem Mehrwert für den Kunden im Markt zu platzieren und ältere Produkte und Technologien zu ersetzen. Darüber hinaus tragen unsere neuen Produkte wesentlich zum Umsatzwachstum bei und bilden eine wichtige Voraussetzung für die Erzielung attraktiver Margen. Um notwendige Mittel für weitere Investitionen verfügbar zu machen sowie zur Optimierung unserer Kostenstrukturen haben wir im November 2010 ein Maßnahmenprogramm angekündigt. Dieses soll bis 2012 im Wesentlichen umgesetzt sein. Wir planen bis zum Jahr 2012 per saldo rund 600 Stellen abzubauen – überwiegend in Deutschland und den USA. Damit wollen wir CropScience in allen Bereichen noch effizienter gestalten sowie die frei werdenden Mittel in den Bereich BioScience, in die Vermarktung der neuen Produkte und in den Ausbau strategischer Wachstumsmärkte investieren, während wir weiterhin in den gut entwickelten Märkten unsere Position verteidigen wollen.
Im Segment Crop Protection will CropScience seine führenden Positionen in den Geschäftsfeldern Herbizide, Fungizide, Insektizide sowie Saatgutbehandlungsmittel durch eine breite regionale Präsenz und innovative, hochwirksame Produkte behaupten und ausbauen. Dieses strategische Ziel versuchen wir durch die stetige Verbesserung unseres Produktmix zu erreichen. Dazu zählen neben der Markteinführung neuer Wirkstoffe und Produkte aus unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline und einem erfolgreichen Lebenszyklus-Management auch die Ergänzung durch einen komplementären Forschungsansatz mit den Bereichen Züchtung und Pflanzeneigenschaften (Traits) sowie die Verfolgung von Forschungsaktivitäten in neuen Wachstumsbereichen. So arbeiten wir derzeit in zukunftsorientierten Forschungsfeldern an neuen integrierten Methoden und Lösungen in den Bereichen Pflanzengesundheit und -qualität, Stresstoleranz sowie Nährstoffaufnahme, Diagnostik und biologische Schädlingskontrolle.
Unser Bereich Environmental Science greift primär auf die Entwicklungs- und Produktionskapazitäten sowie Wirkstoffinnovationen von Crop Protection zurück. Unsere Strategie ist es, unsere führende Marktstellung weiter auszubauen, indem wir Lösungen entwickeln und vermarkten, die speziell auf die individuellen Bedürfnisse von privaten Konsumenten und professionellen Anwendern zugeschnitten sind. Diese Lösungen sollen ein hohes Maß an Anwenderfreundlichkeit und sicherer Handhabung bieten. Wachstumspotenziale bieten sich für den Bereich Environmental Science vor allem in den Märkten der sogenannten Schwellenländer. Weitere Schwerpunkte der strategischen Ausrichtung sind die konsequente Kundenorientierung mit einem Ausbau der Marketingaktivitäten und die weitere Erschließung spezifischer Marktsegmente wie der Forstwirtschaft oder des industriellen Vegetationsmanagements.
Der Bereich BioScience umfasst die Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Saatgut und Technologie, die auf modernen Züchtungsmethoden basieren. Wir wollen die Aktivitäten im Bereich Saatgut und Pflanzeneigenschaften weiter ausbauen. So streben wir an, den Umsatz von BioScience bis zum Jahr 2018 auf rund 1,4 Mrd € zu steigern und den BioScience-Anteil der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen zu erhöhen. In unserem Saatgutgeschäft haben wir uns bisher auf die vier wachstumsstarken Kernkulturen Baumwolle, Gemüse, Raps und Reis konzentriert. Unsere starken Marktpositionen in diesen Kulturen wollen wir durch die Einführung neuer Sorten und regionale Expansion weiter stärken. Darüber hinaus haben wir bereits im Jahr 2009 die Forschung an verbesserten Getreidesorten begonnen und die Sojabohne als weiteren Forschungsschwerpunkt etabliert. Ziele der BioScience-Forschung sind u. a. eine Erhöhung der Erträge, eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen ungünstige Witterungsbedingungen und Resistenz gegen bestimmte Schadinsekten. Geforscht wird zudem an Zuckerrohr mit höherem Zuckergehalt. Unsere Technologien vermarkten wir nicht nur im eigenen Saatgut, sondern bieten diese verstärkt auch über Auslizenzierungen für weitere Kulturpflanzen an.
CropScience vermarktet seine Produkte weltweit in mehr als 120 Ländern. Insbesondere in den schnell wachsenden Märkten wie Brasilien, Indien, China, Russland und Osteuropa soll das Geschäft in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. In diesen Märkten birgt die Landwirtschaft noch großes Potenzial, durch den Einsatz von innovativen Spitzentechnologien die weltweit steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Nahrungs- und Futtermitteln decken zu können. Wir wollen in diesem Umfeld unser Geschäft kontinuierlich ausbauen und die Landwirte mit umfassenden Lösungen von der Aussaat bis zur Ernte bei der Produktivitätssteigerung unterstützen.

MaterialScience

Die Kernelemente der Strategie von MaterialScience sind, die bestehenden Wettbewerbspositionen in den angestammten Märkten zu sichern, das Portfolio mit innovativen neuen Geschäften zu ergänzen und ein profitables, nachhaltiges Wachstum in den Schwellenländern zu erreichen. Damit wollen wir eine hohe Profitabilität sicherstellen und zur langfristigen Steigerung des Unternehmenswerts beitragen. Mit unseren Produkten streben wir an, nachhaltige Lösungen zur Schonung globaler Energie-Ressourcen und unseres Klimas bereitzustellen und einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität möglichst vieler Menschen zu leisten. Das überproportionale Wachstum der Märkte in Asien stellt hierbei eine große Herausforderung dar und bietet zugleich ein Geschäftspotenzial, das wir aktiv erschließen wollen. Unsere Investitionspolitik, die an den mittel- und langfristigen Marktentwicklungen ausgerichtet ist, trägt dieser Entwicklung auch weiterhin Rechnung. In unseren Produktionsprozessen setzen wir zudem auf ständige Effizienzsteigerungen.
In der Business Unit Polyurethanes (PUR) beabsichtigen wir, die globale Marktführerschaft bei den Isocyanaten – einem zentralen Vorprodukt vor allem für harten und weichen Schaumstoff – auszubauen. In diesen Bereichen bleibt es unser Ziel, die Kostenführerschaft langfristig zu sichern. Darüber hinaus wollen wir unsere Vertriebskanäle und globalen Kompetenz-Netzwerke ausbauen.
Eine nachhaltige Unterstützung des Wachstums in Asien erwarten wir von einer neuen Großanlage für Toluylen-Diisocyanat (TDI) im chinesischen Shanghai mit einer Jahreskapazität von 250.000 Tonnen, die im 1. Quartal 2011 abschnittsweise mechanisch fertiggestellt wird und im 2. Halbjahr 2011 mit der kommerziellen Produktion beginnen soll. In Europa plant MaterialScience eine neue TDI-Produktionsanlage im Weltmaßstab in Dormagen, die eine genehmigte Kapazität von 300.000 Jahrestonnen haben wird und 2014 in Betrieb gehen soll. In Dormagen soll dann die europäische Herstellung von TDI konzentriert werden. Die innovative, patentierte TDI-Verfahrenstechnologie von MaterialScience, die in beiden Anlagen zum Einsatz kommen wird, setzt global neue Maßstäbe in der effizienten und klimaschonenden Produktion: Im Vergleich zu einer konventionellen Anlage gleicher Größe spart die neue Verfahrenstechnik erhebliche Mengen an Energie und Lösungsmitteln sowie 60.000 Jahrestonnen CO2-Emissionen. Sie senkt zudem die Investitionskosten für eine derartige Großanlage um rund 15 %.
In der Produktgruppe der Diphenylmethan-Diisocyanate (MDI) zielen wir auf ein nachhaltiges Wachstum durch den zunehmenden Bedarf an Dämmstoffen in wichtigen Abnehmerbranchen ab. U. a. im Bausektor dürfte die energetische Gebäudeisolierung für Nachfrage sorgen. Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, soll die MDI-Produktion am chinesischen Standort Shanghai auf eine Jahreskapazität von 1.000.000 Tonnen ausgeweitet werden.
Als komplementärer Teil unserer Systemlösungen werden die Polyether-Polyole vorrangig das Wachstum im Isocyanatgeschäft stärken. Unsere Systemhäuser unterstützen unser Wachstum bei den Isocyanaten als ein wichtiger Vertriebskanal, um spezifische Kundenbedürfnisse zu bedienen.
Eine hohe Nachfrage auf dem Weltmarkt erlebt derzeit die Business Unit Polycarbonates (PCS). Mehr als 60 % des Polycarbonat-Weltmarktes befinden sich derzeit im asiatischen Raum. Dort und besonders in China besteht ein erheblicher Bedarf. Wir reagieren auf diese Entwicklung mit einem Ausbau der Polycarbonat-Kapazitäten. So soll in Shanghai die Jahreskapazität auf 500.000 Tonnen erhöht werden. Dabei setzen wir auch weiterhin auf die Effizienz unserer World-Scale-Anlagen. Darüber hinaus planen wir die Verlagerung des Hauptsitzes der Business Unit von Leverkusen nach Shanghai, um der wachsenden Bedeutung der Region durch eine marktnahe Geschäftssteuerung Rechnung zu tragen. Gleichzeitig stellen wir als führender Entwicklungs- und Technologiepartner unseren Kunden spezielle Lösungen rund um Polycarbonat-Anwendungen bereit. U. a. wollen wir unser Netzwerk an „Color Competence and Design Center“, in denen die maßgeschneiderte Kunststoff-Aufbereitung erfolgt, ausbauen.
Bei den Halbfertig-Erzeugnissen für Polycarbonat-Platten bietet die Verwendung von Polycarbonat für LCD-Streuscheiben (Diffusor Sheets) bei großformatigen Flachbildschirmen ein besonderes Marktpotenzial. Zudem sorgt in der Automobilindustrie der Trend zum Leichtbau für eine zunehmende Nachfrage nach Polycarbonat – etwa bei der Automobil-Verscheibung.
Die Business Unit Coatings, Adhesives, Specialties (CAS) strebt an, ihre heutige Marktposition im Bereich der Basis- und modifizierten Isocyanate zu verteidigen und selektiv auszubauen. In Europa und in der Wachstumsregion Asien/Pazifik werden wir daher auf die steigende Nachfrage mit einer Erweiterung unserer Produktionskapazitäten antworten. Zum einen ist in Shanghai ein Ausbau der Produktion von Hexamethylen-Diisocyanat (HDI) geplant; dort soll u. a. eine zusätzliche Anlage mit einer Kapazität von 50.000 Jahrestonnen entstehen. Zum anderen wollen wir in Leverkusen eine Mehrzweckanlage für die Herstellung von HDI und Isophoron-Diisocyanat (IPDI) errichten. Unsere Profitabilität wollen wir zudem durch eine stärkere Fokussierung des Portfolios auf moderne Lack- und Klebrohstoffsysteme steigern.
Mit Blick auf neue Geschäftsmöglichkeiten entwickeln wir funktionale Folien, Kohlenstoff-Nanoröhrchen und Produkte für medizinische Anwendungen, in denen wir uns als fokussierter Technologieführer positionieren wollen.
Innovative Geschäftsideen generieren wir auch durch eine verstärkte anwendungstechnische Sicht auf unsere Materialien. So können heute etwa mit dem sogenannten „DirectSkinning“-Verfahren hochwertige Spritzgussteile aus PUR und PCS in einem einzigen Prozessschritt gefertigt werden.
Auch in der eigenen Produktion wendet MaterialScience neuartige Verfahren und Prozesse an. Mit der Sauerstoffverzehrkathode etwa lässt sich die Effizienz der Chlorherstellung deutlich steigern. Im Vergleich zu einem Membranverfahren ermöglicht diese Technologie Energieeinsparungen von rund 30 % bei entsprechender indirekter Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes.

Finanzstrategie

Die finanzielle Steuerung des Konzerns erfolgt durch die strategische Management-Holding Bayer AG. Finanzmittel werden in der Regel als globale Ressource zentral beschafft und konzernintern verteilt. Eine nachhaltige Steigerung des Unternehmenswerts und die Sicherung der Liquidität sowie der Kreditwürdigkeit des Konzerns sind die wichtigsten Ziele des Finanzmanagements. Hierzu tragen die Optimierung der Kapitalstruktur und ein effektives Risikomanagement bei. Die Steuerung von Währungs-, Zins-, Rohstoffpreis- und Ausfallrisiken sorgt dabei für die Reduzierung der Ergebnisvolatilität.
Die von uns beauftragten Ratingagenturen stufen Bayer wie folgt ein:
Rating[Tabelle 3.40]
 Langfrist-RatingAusblickKurzfrist-Rating
Standard & Poor'sA-negativA-2
Moody'sA3stabilP-2
Diese Bonitätseinstufung spiegelt die gute Zahlungsfähigkeit des Unternehmens wider und gewährleistet den Zugang zu einer breiten Investorenbasis für die Finanzierung. Zum Erhalt der finanziellen Flexibilität bleibt das Erreichen und Bewahren von Finanzkennzahlen, die ein Rating in der A-Kategorie unterstützen, unser Ziel. Dementsprechend sollen Cashflows aus dem operativen Geschäft auch zur Reduzierung der Nettofinanzverschuldung beitragen.
Wir verfolgen eine konservative und auf Flexibilität ausgerichtete Verschuldungspolitik mit einem ausgewogen gestalteten Finanzierungsportfolio. Dieses basiert im Kern auf einem Multi-Currency-Euro-Medium-Term-Notes-Programm, syndizierten Kreditfazilitäten, bilateralen Kreditverträgen sowie einem Global-Commercial-Paper-Programm.
Risiken aus dem operativen Geschäft und aus Finanztransaktionen sichern wir durch Finanzderivate ab. Dabei werden grundsätzlich keine Kontrakte ohne zugrundeliegendes Basisgeschäft eingegangen. Grundsätzlich wird durch die Auswahl erstklassiger Handelspartner das Ausfallrisiko reduziert. Sämtliche Transaktionen werden nach konzernweiten Richtlinien vorgenommen und zeitnah überwacht.
Für eine genauere Darstellung unserer Risikomanagementziele und -methoden zur Absicherung aller wichtigen Arten von Transaktionen, die im Rahmen der Bilanzierung von Sicherungsgeschäften erfasst werden, sowie der Preisänderungs-, Ausfall- und Liquiditätsrisiken, jeweils in Bezug auf die Verwendung von Finanzinstrumenten, verweisen wir auf die Erläuterung im Kapitel 11.1 „Chancen- und Risikobericht“.
Letzte Änderung: 28. Februar 2011

http://www.geschaeftsbericht2010.bayer.de/de/strategie.aspx

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