Lagebericht
9.4 Gesellschaftliches Engagement
Gesellschaftliches Engagement ist ein fester Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und der Unternehmenspolitik von Bayer. Das Unternehmen versteht sich als Teil der Gesellschaft und begreift sein Engagement im Sinne eines „Good Corporate Citizen“ als langfristige Investition in die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft und als nachhaltigen Beitrag für positive unternehmerische Rahmenbedingungen. Das gesellschaftliche Engagement von Bayer wird dokumentiert in zahlreichen Projekten, die das Unternehmen zum Teil seit Jahren in vielen Regionen der Welt organisiert oder unterstützt. Dafür stellte der Konzern im Jahr 2010 rund 57 Mio € (Vorjahr: 44 Mio €) in den vier Schwerpunktbereichen zur Verfügung.
| Ausgaben für gesellschaftliche Initiativen | [Tabelle 3.39] |
|---|
| Förderschwerpunkte | 2009 | 2010 |
| | in Mio € | in Mio € |
| Bildung und Forschung | 5 | 7 |
| Umwelt und Natur | 3 | 3 |
| Gesundheit und Soziales | 15 | 26 |
| Sport und Kultur | 21 | 21 |
Wir entwickeln unsere Förderstrategie stetig weiter. Dabei legen wir besonderes Augenmerk auf Projekte zu gesamtgesellschaftlichen Aufgaben von hoher Relevanz und mit konkretem Bedarf, in die wir gezielt unser technologisches und ökonomisches Know-how einbringen können.
Bildung und Forschung
Bayer legt traditionell großen Wert auf die Förderung von Bildung und Forschung. Denn als forschungsorientiertes Unternehmen sind wir im Besonderen auf sehr gut ausgebildete Nachwuchskräfte und auf Technikakzeptanz in der Gesellschaft angewiesen.
Die „Bayer Science & Education Foundation“ deckt mit ihren Förderprogrammen den kompletten wissenschaftlichen Ausbildungs- und Karriereweg ab. So vergab die Stiftung im Jahr 2010 Fördergelder in der Gesamthöhe von rund 1 Mio € sowohl an engagierte Schüler und Auszubildende und innovative Schulprojekte als auch an exzellente Studierende, Nachwuchswissenschaftler und Spitzen-Forscher. Der thematische Förderfokus liegt jeweils auf den Naturwissenschaften und Medizin.
2010 eröffnete mit dem „Baylab“ am Konzern-Stammsitz in Leverkusen das vierte Bayer-Schülerlabor. Rund 3.400 Schülerinnen und Schüler machten im ersten Jahr vom Unterrichtsangebot zu den Themen Gesundheit, Ernährung und Kunststoffe Gebrauch. Insgesamt profitierten ca. 11.500 Schüler und Lehrer von den Angeboten der „Baylabs“ – dazu zählen neben dem themenübergreifenden Schülerlabor die themenspezifischen „Baylab health“, „Baylab plants“ und „Baylab plastics“. Für dieses Bildungsangebot erhielt Bayer den „Unternehmenspreis 2010“ des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.
Das „Humboldt Bayer Mobil“, ein Forschungslabor auf Rädern, macht seit 2010 Station an Schulen. Die Bayer-Stiftung unterstützt dieses gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin gestartete und zunächst auf drei Jahre angelegte naturwissenschaftliche Bildungsprojekt mit 300.000 €. Die internationale Bayer-Bildungsinitiative „Making Science Make Sense“ wurde auch im Jahr 2010 wieder in 12 Ländern umgesetzt. Zielgruppe sind Grundschüler, denen Bayer-Mitarbeiter in anschaulichen Experimenten die Faszination der Naturwissenschaften vermitteln.
Im Rahmen unseres Engagements gegen Kinderarbeit in unserer Lieferkette in Indien setzen wir mit dem Programm „Learning for Life“ ein integriertes Maßnahmenpaket um. Es ermöglicht Kindern bzw. Jugendlichen den Zugang zu Schulbildung und Ausbildung und soll verhindern, dass Baumwollsaatgut-Zulieferer sie als Arbeitskräfte einsetzen. Gegenwärtig liegt der Fokus auf der berufsqualifizierenden Ausbildung. Im Bundesstaat Karnataka nahmen beispielsweise im Schuljahr 2009/2010 und im Schuljahr 2010/2011 insgesamt über 1.900 Auszubildende am regelmäßigen berufsbezogenen Unterricht teil, den wir zusammen mit lokalen Nicht-Regierungsorganisationen an zunächst fünf Regierungsschulen einführten.
Umwelt und Natur
Ein weiterer Schwerpunkt unseres gesellschaftlichen Engagements ist die Bildung von Jugendlichen in Umweltfragen.
Auch im Jahr 2010 organisierten Bayer und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) wieder ein Dutzend Umweltprojekte für Jugendliche und Kinder im Rahmen ihrer globalen Partnerschaft. Im Mittelpunkt stand die internationale Kinderkonferenz in Nagoya, Japan, zum Thema „Artenvielfalt“ mit rund 250 Teilnehmern aus 40 Ländern. Der jedes Jahr gemeinsam organisierte Kinder-Malwettbewerb verzeichnete wiederum dank einer besonders starken Beteiligung in China eine erneute Rekordmarke von 3,2 Millionen Einreichungen aus 95 Ländern. Im Rahmen des Bayer-Umweltbildungsprogramms „Junge Umweltbotschafter“ nahmen insgesamt rund 50 Jugendliche aus 18 Ländern an der einwöchigen Studienreise zum Thema Umweltschutz nach Deutschland teil – dem Höhepunkt der jährlichen Aktivitäten. Bayer und UNEP verlängerten 2010 ihre Partnerschaft um drei weitere Jahre bis Ende 2013. Bayer wird die gemeinsamen Projekte finanziell weiterhin mit 1,2 Mio € pro Jahr unterstützen.
Am „Bayer-Tongji Chair for Sustainable Devolopment“ an der Tongji-Universität in Shanghai, China, setzte die Forschungsgruppe von Prof. Dr. Jianfu Zhao im Jahr 2010 u. a. vier Forschungsprojekte – beispielsweise zum Zusammenhang von effizienter Energie- und Wasser-Nutzung – um. Die Forschungs- und Lehrtätigkeiten der Stiftungsprofessur wurden von der „Bayer Science & Education Foundation“ im Berichtsjahr mit insgesamt 150.000 € unterstützt.
Gesundheit und Soziales
Bayer engagiert sich weltweit für die Verbesserung der sozialen Verhältnisse und der Gesundheitsversorgung. Dadurch wollen wir zu einem sozial stabilen Umfeld an unseren Unternehmensstandorten beitragen und helfen, globale Gesundheitsaufgaben zu lösen.
Wir unterstützten in unseren laufenden Hilfsprogrammen auch 2010 die Weltgesundheitsorganisation WHO im Kampf gegen vernachlässigte tropische Krankheiten. Das Unternehmen stellte dazu kostenfrei Medikamente zur Verfügung, die auf der „WHO Essential Drug List“ stehen – beispielsweise gegen die in Lateinamerika weit verbreitete Chagas-Krankheit, eine Infektionskrankheit, die durch den Biss von Raubwanzen übertragen wird.
Die „Bayer Cares Foundation“, unsere Stiftung für das soziale Engagement, unterstützte im Berichtsjahr 54 gemeinnützige Ehrenamtsprojekte im Umfeld der Unternehmensstandorte in Deutschland und Lateinamerika mit insgesamt über 140.000 €. Damit honorierte die Bayer-Stiftung das ehrenamtliche Engagement von Mitarbeitern und Bürgern, die sich in konkreten Projekten aktiv für die sozialen Belange der Gesellschaft einsetzen.
Zudem vergab die Stiftung 2010 erstmals den mit insgesamt 35.000 € dotierten „Aspirin Sozialpreis“ für innovative Hilfs- und Beratungsangebote im Gesundheitsbereich.
Für die Erdbebenopfer in Haiti finanzierte die „Bayer Cares Foundation“ gemeinsam mit „Caritas international“ ein Gesundheitszentrum, das 30.000 Menschen medizinisch versorgen wird. Ermöglicht wurde dies durch die Bayer-Mitarbeiter, die in 34 Ländern einem weltweiten Spendenaufruf des Unternehmens gefolgt sind und 250.000 € spendeten. Die Bayer AG stockte diesen Betrag um 100.000 € auf insgesamt 350.000 € auf. Unmittelbar nach dem Erdbeben hatte der Konzern eine Soforthilfe in Form von Antibiotika und Schmerzmitteln im Wert von mehr als 650.000 € geleistet – die Bayer-Hilfe für Haiti belief sich somit auf einen Gesamtwert von über 1 Mio €.
Sport und Kultur
In der Sport- und Kulturförderung engagieren wir uns bereits seit über 100 Jahren.
Im Breiten-, Jugend- und Behindertensport sind wir mit einer vielfältigen Vereinslandschaft aktiv. „Einfach Fußball“ ist eine neue Initiative für Schülerinnen und Schüler mit geistiger und Lern-Behinderung. Gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) initiiert und unterstützt Bayer Partnerschaften zwischen Förderschulen und Fußballvereinen. Ziel ist es, mehr Kindern und Jugendlichen mit Behinderung den Zugang zum Vereinsfußball zu ermöglichen und das gegenseitige Lernen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern.
Über das Angebot der Bayer-Kulturabteilung sowie unserer Vereine und Ensembles leisten wir einen traditionellen Beitrag zum kulturellen Leben an den Unternehmensstandorten und damit zu deren Attraktivität für Mitarbeiter und Bürger.