Lagebericht
8. Forschung und Entwicklung
Unsere Mission „Bayer: Science For A Better Life“ unterstreicht die Überzeugung des Bayer-Konzerns: Innovationen leisten wichtige Beiträge, um die globalen Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sowie Schonung der knapper werdenden Ressourcen zu bewältigen. Damit sind Innovationen wesentliche Treiber für das zukünftige Wachstum unseres Unternehmens. Bayer verfügt über die notwendigen Ressourcen, um durch Forschung und Entwicklung das Produktportfolio stetig zu erneuern und zu erweitern sowie Produktionsprozesse zu optimieren. Im Jahr 2010 wurden 3.053 Mio € (Vorjahr: 2.746 Mio €) für Forschung und Entwicklung aufgewendet, ein Rekord in der Firmengeschichte. Dies entspricht einer Forschungskostenquote von 8,7 % bezogen auf den Umsatz. Unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten orientieren sich eng an den Marktbedürfnissen und unterliegen dem Anspruch, sich kontinuierlich zu verbessern. Unsere eigenen Aktivitäten werden ergänzt durch ein internationales Netzwerk von führenden Hochschulen, öffentlichen Forschungseinrichtungen und Partnerfirmen, das wir entlang unserer Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte kontinuierlich ausbauen. Dieses Netzwerk hilft uns, durch Bündelung von Know-how neue Geschäftsideen zügig in Produkterfolge umzusetzen. Die gezielte Förderung der konzernweit 13.200 Mitarbeiter in den Forschungs- und Entwicklungsbereichen ist ein weiteres Kernelement unserer Aktivitäten.
HealthCare
In die Forschung und Entwicklung (F & E) der beiden Segmente Pharma und Consumer Health haben wir im Jahr 2010 2.066 Mio € (Vorjahr: 1.847 Mio €) investiert. Dies entspricht 67,7 % der gesamten Forschungsaufwendungen des Konzerns und einer Forschungskostenquote von 12,2 %. Im Bereich der Forschung und Entwicklung des Teilkonzerns HealthCare waren zum Abschlussstichtag 7.700 Mitarbeiter beschäftigt.
Im Segment Pharma haben wir unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auf 1.751 Mio € (Vorjahr: 1.572 Mio €) gesteigert, dies entspricht einer Forschungskostenquote von 16,1 % (Vorjahr: 15,0 %). Bei der Wirkstofffindung im Segment Pharma konzentrieren wir uns auf die Bereiche Diagnostische Bildgebung, Frauengesundheit, Kardiologie und Onkologie. Die Forschungsaktivitäten und -kapazitäten sind an den drei Hauptstandorten Berlin und Wuppertal (Deutschland) sowie Berkeley (USA) gebündelt. An den Standorten Berlin und Wuppertal konzentrieren wir uns im Wesentlichen auf die Identifizierung von molekularen Zielstrukturen, um Leitsubstanzen zu entwickeln und zu optimieren. Außerdem werden hier Untersuchungen zum Arzneimittelstoffwechsel, zur Pharmakokinetik, Toxikologie und klinischen Pharmakologie unternommen. Berkeley ist ein wichtiges Forschungs- und Entwicklungszentrum, in dem die proteinbasierte biologische Wirkstoffforschung von Kogenate™ erfolgt. Das globale Forschungsnetzwerk wurde im Berichtsjahr durch ein Innovationszentrum bei San Francisco (USA) gestärkt, um auf dem Gebiet der Hämatologie zu forschen und neuartige biologische Wirkstoffe zu entwickeln. Universitäre Forschungsinstitute und junge, biotechnologisch tätige Unternehmen werden hier eng mit unseren Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Zusätzlich gründeten wir ein neues internationales Forschungs- und Entwicklungszentrum in Peking (China), um einen Beitrag zur Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln für China und weitere asiatische Länder zu leisten. Für beide Zentren streben wir strategische Allianzen mit ausgesuchten Forschungs- und Entwicklungspartnern an.
Zur Entwicklung neuer Wirkstoffe für Erkrankungen mit hohem medizinischen Bedarf haben wir im Verlauf des Jahres 2010 mit mehreren Arzneimittelkandidaten aus unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline klinische Studien durchgeführt. Zudem stellten wir für einige dieser Arzneimittelkandidaten nach Abschluss aller notwendigen Studien Anträge auf Zulassung bzw. auf Erweiterung der bestehenden Zulassung bei einer oder mehreren Behörden. Die wichtigsten noch im Zulassungsprozess befindlichen Arzneimittelkandidaten sind:
| Einreichungen | [Tabelle 3.33] |
|---|
| | Indikation |
| Gadovist™ | USA, Magnetresonanztomographie, Zentrales Nervensystem |
| Qlaira™/Natazia™(E2V/DNG) | USA, Behandlung von starken und/oder verlängerten Regelblutungen |
| Valette™ Plus | EU, Orale Empfängnisverhütung, kombiniertes Kontrazeptivum mit Folat |
| Xarelto™ | Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern |
| Xarelto™ | EU, Behandlung und Sekundärprophylaxe tiefer Venenthrombosen |
Xarelto™
| USA, Prävention von venösen Thromboembolien nach geplanten Hüft- und Kniegelenkersatz-Operationen |
| YAZ™ Flex | EU, Orale Empfängnisverhütung mit flexiblen Einnahme-Regimen |
In dernachfolgenden Tabelle sind unsere wichtigsten Arzneimittelkandidaten der klinischen Prüfungsphasen
III und
II dargestellt:
| Forschungs- und Entwicklungsprojekte (Phase III und II)* | [Tabelle 3.34] |
|---|
| | Indikation | Status |
| Alemtuzumab | Multiple Sklerose | Phase III |
Alpharadin™
| Behandlung von Knochenmetastasen bei hormon-resistentem Prostatakrebs | Phase III |
| ATX-101 | Auflösung von submentalem Fett | Phase III |
| FC Patch low | Empfängnisverhütung | Phase III |
| Florbetaben | Alzheimer-PET-Diagnostik | Phase III |
| Gadovist™ | Magnetresonanztomographie | Phase III |
| LCS (ULD LNG Contraceptive System) | Empfängnisverhütung | Phase III |
| Nexavar™ | Brustkrebs | Phase III |
| Nexavar™ | Schilddrüsenkrebs | Phase III |
| Nexavar™ | Nicht kleinzelliger Lungenkrebs | Phase III |
Regorafenib (DAST Inhibitor)
| Behandlung metastasierter oder inoperabler Stromatumore im Gastrointestinalbereich | Phase III
|
Regorafenib (DAST Inhibitor) | Dickdarmkrebs | Phase III |
Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertonie (CTEPH) | Phase III |
Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertonie (PAH) | Phase III |
Xarelto™
| Thromboseprophylaxe bei immobilisierten Patienten aufgrund medizinischer Indikationen | Phase III
|
Xarelto™
| Behandlung und Sekundärprophylaxe von venösen Thromboembolien | Phase III
|
Xarelto™
| Sekundärprophylaxe des akuten koronaren Syndroms/Herzinfarkt | Phase III
|
Vaginorm™
| Vulvovaginale Atrophie und weibliche sexuelle Dysfunktion FSD (female sexual disorder) | Phase III
|
| VEGF Trap-Eye | Altersabhängige Makula-Degeneration | Phase III |
VEGF Trap-Eye
| Gefäßneubildungen der Netzhaut nach pathologischer Myopie | Phase III
|
| VEGF Trap-Eye | Verschluss der zentralen Netzhautvene | Phase III |
Alpharadin™
| Behandlung von Knochenmetastasen bei Brustkrebs | Phase II
|
| Amikacin Inhale | Lungeninfektion | Phase II |
| BAY 60-4552/Vardenafil | Erektile Dysfunktion | Phase II |
Cinaciguat (sGC Aktivator) | Akute Herzinsuffizienz | Phase II |
| Ciprofloxacin Inhale | Lungeninfektion | Phase II |
| Mapracorat (ZK 245186, SEGRA) | Atopische Dermatitis | Phase II |
| MEK-Inhibitor | Krebs | Phase II |
| Nexavar™ | Brustkrebs | Phase II |
| Nexavar™ | Dickdarmkrebs, Kombinationstherapie | Phase II |
| Nexavar™ | Eierstockkrebs | Phase II |
| Nexavar™ | Weitere Indikationen | Phase II |
| Regorafenib (DAST Inhibitor) | Krebs | Phase II |
Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertension (COPD) | Phase II |
Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertension (ILD) | Phase II |
Riociguat (sGC Stimulator) | Pulmonale Hypertension (LHD) | Phase II |
| VEGF Trap-Eye | Diabetisches Makula-Ödem | Phase II |
* Stand: 15. Februar 2011 PAH = pulmonale arterielle Hypertonie; CTEPH = chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie COPD = chronisch obstruktive Lungenerkrankung; ILD = interstitielle Lungenerkrankung; PET = Positronen-Emissionstomographie LHD = left heart disease Das Wesen der Arzneimittelforschung und -entwicklung bedingt, dass nicht alle Wirkstoffe das jeweils festgelegte Projektziel erreichen werden. Es besteht die Möglichkeit, dass einige oder alle der hier aufgeführten Projekte aufgrund wissenschaftlicher und/oder wirtschaftlicher Erwägungen abgebrochen werden und somit nicht zu einem marktfähigen Produkt führen. Zudem ist es möglich, dass die für diese Wirkstoffe erforderliche Zulassung als Arzneimittel durch die Food and Drug Administration (FDA), die European Medicines Agency (EMA) oder eine andere Zulassungsbehörde nicht erteilt wird. |
Wir überprüfen unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline regelmäßig, um die aussichtsreichsten Pharma-Projekte mit Priorität voranzutreiben.
Unser neuartiger Gerinnungshemmer
Xarelto™, ein als Tablette einzunehmender direkter Faktor-Xa-Inhibitor, kam im September 2008 zur Prophylaxe von venösen Thromboembolien bei erwachsenen Patienten nach geplanten Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen auf den Markt. Zulassungen für diese Indikation wurden von den Gesundheitsbehörden in mehr als 100 Ländern weltweit erteilt, darunter die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, Australien, China, Kanada und Mexiko. Xarelto™ wird inzwischen in mehr als 75 Ländern vermarktet. Ein neuartiger, vereinfachter Therapieansatz mit Xarelto™ als Mono-Therapeutikum hat in der entsprechenden Phase-
III-Studie zur langfristigen Behandlung und Sekundärprophylaxe der tiefen Venenthrombose gegenüber der derzeitigen Standardtherapie eine vergleichbare Wirksamkeit und damit den primären Wirksamkeitsendpunkt erreicht. Im Januar 2011 erfolgte der Zulassungsantrag bei der europäischen Zulassungsbehörde European Medicines Agency
(EMA) zur Schlaganfall-Prävention bei Patienten mit Vorhofflimmern sowie zur Behandlung und Sekundärprophylaxe tiefer Venenthrombosen und – durch unseren Kooperationspartner Johnson & Johnson – bei der
US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration
(FDA) zur Schlaganfall-Prävention bei Patienten mit Vorhofflimmern auf Basis der positiven Ergebnisse der zulassungsrelevanten, doppelblinden Phase-
III-Studie
ROCKET AF. Aufgrund des umfangreichen klinischen Studienprogramms ist der Wirkstoff der wohl am intensivsten untersuchte orale, direkte Faktor-Xa-Inhibitor weltweit. Insgesamt werden mehr als 65.000 Patienten an dem Entwicklungsprogramm teilnehmen, in dem der Wirkstoff für die Thromboseprophylaxe und -therapie in einem breiten Spektrum von Indikationen geprüft wird (
siehe auch Tabelle 3.34).
Aufgrund vielversprechender Phase-II-Ergebnisse mit Riociguat (sGC Stimulator) haben wir im Dezember 2008 ein Phase-III-Programm gestartet. Riociguat ist das erste Präparat einer neuen Klasse von gefäßerweiternden Substanzen – den Stimulatoren der löslichen Guanylatcyclase (sGC). Der als Tablette einzunehmende Wirkstoff wird derzeit als neuer Therapieansatz bei verschiedenen Formen des Lungenhochdrucks untersucht.
Zu unseren weiteren Entwicklungsprojekten zählt u. a. unser innovatives Krebsmedikament Nexavar™, das wir zusammen mit Onyx Pharmaceuticals, Inc., USA, weiterentwickeln. Der vielversprechende Wirkstoff Sorafenib, der sowohl die Krebszellen als auch das Gefäßsystem des Tumors angreift, wird bereits weltweit in den Indikationen des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms und des Leberzellkarzinoms vermarktet. Die Untersuchungen zum Einsatz bei weiteren Tumorarten befinden sich derzeit in unterschiedlichen Phasen der klinischen Entwicklung. Eine Phase-III-Studie mit Nexavar™ in Kombination mit zwei in Europa gebräuchlichen Chemotherapeutika im Vergleich zur Chemotherapie allein hat bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom ihren primären Endpunkt – die Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit – nicht erreicht. Nexavar™ wird von uns und Onyx sowie unabhängigen Wissenschaftlern weiter in einer Vielzahl von Behandlungsschemata bei Lungenkrebs untersucht (siehe auch Tabelle 3.34).
Mit Regorafenib haben wir im April 2010 ein Phase-III-Programm zur Behandlung von fortgeschrittenem Dickdarmkrebs gestartet. Regorafenib ist ein neuartiger, oral wirksamer Multi-Kinase-Inhibitor, der verschiedene Signalwege hemmt, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. In die Studie werden Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom aufgenommen, deren Erkrankung trotz vorheriger Standardbehandlungen weiter fortschreitet.
Auf dem Gebiet der Frauengesundheit forschen wir im Bereich gynäkologischer Therapien sowie daran, das Spektrum an Möglichkeiten zur Verhütung auszuweiten. Im April 2009 wurden Phase-III-Studien zur klinischen Prüfung eines Verhütungspflasters gestartet. Es soll das einzige transparente sowie das kleinste und am niedrigsten dosierte Verhütungspflaster auf dem Markt werden. Zur Therapie der vaginalen Atrophie und der weiblichen sexuellen Dysfunktion soll Vaginorm™, das Entwicklungsprodukt aus unserer neuen Kooperation mit EndoCeutics, eingesetzt werden. Vaginorm™ wird derzeit in Kanada und den USA in einem Phase-III-Studienprogramm untersucht. Es enthält Dehydroepiandrosteron (DHEA), eine Vorläufersubstanz weiblicher und männlicher Sexualhormone. Ebenfalls in der klinischen Phase III befindet sich die neue Hormonspirale LCS. Sie ist kleiner als Mirena™, hat eine niedrigere Hormondosis und eine Wirkdauer von bis zu drei Jahren.
Unter dem Handelsnamen Beyaz™ bzw. SafyralTM wurden in den USA die Verhütungsmittel YAZ™ Plus bzw. Yasmin™ Plus, die beide neben den Hormonbestandteilen zusätzlich Folat enthalten, zugelassen. Unser neues, in Europa bereits seit Mai 2009 unter dem Namen Qlaira™ vermarktetes, orales Verhütungsmittel wurde im 2. Quartal 2010 in den USA unter dem Namen NataziaTM zugelassen. Die Zusatzindikation zur Behandlung von starken und/oder verlängerten Regelblutungen wurde in Europa im Oktober zugelassen und ist in den USA ebenfalls zur Zulassung eingereicht. Qlaira™/NataziaTM ist das erste Präparat einer neuen Klasse von oralen Verhütungsmitteln, deren Östrogenbestandteil auf Estradiol basiert – dem gleichen Östrogen, das der weibliche Körper produziert.
Die Forschungsaktivitäten im Bereich der Diagnostischen Bildgebung fokussieren sich auf die Entwicklung von Positronen-Emissionstomographie (PET)-Markern (Tracer), die in Zukunft eine frühere und präzisere Diagnose von Erkrankungen ermöglichen könnten. Dies geschieht in den drei Indikationsfeldern Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Onkologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mit der Entwicklung des PET-Markers Florbetaben möchten wir zukünftig zu einer früheren und präziseren Diagnose der Alzheimer-Erkrankung beitragen. Im November 2009 startete das globale Phase-III-Programm von Florbetaben.
Wir ergänzen unser Entwicklungsprodukt-Portfolio aus eigener Forschung und Entwicklung durch gezielte Einlizenzierungen.
Im Juni 2010 haben wir eine strategische Allianz mit OncoMed Pharmaceuticals, Inc., USA, zur Erforschung, Entwicklung und Vermarktung neuartiger Therapeutika gegen Krebsstammzellen vereinbart. Den Krebsstammzellen wird eine bedeutende Rolle bei der Entstehung, Metastasierung und dem Wiederauftreten von Krebs zugesprochen.
Die Entwicklung einer diagnostischen Plattform in der Krebstherapie ist Zielsetzung unserer im März 2010 begonnenen Zusammenarbeit mit dem Spezialpharma- und Diagnostikunternehmen Prometheus Laboratories Inc., USA. Sie soll Patienten passenden Arzneimittelkandidaten zuordnen und könnte damit in Zukunft neuartige Methoden der personalisierten Medizin in der Krebstherapie ermöglichen.
In Kooperation mit der Genzyme Corp., USA, entwickeln wir den humanisierten monoklonalen Antikörper Alemtuzumab, der derzeit in zwei globalen Phase-III-Studien in der Indikation Multiple Sklerose (MS) getestet wird.
Das gemeinsame Entwicklungsprojekt VEGF Trap-Eye mit Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA, hat positive Ergebnisse bei zwei parallel durchgeführten Phase-III-Studien bei feuchter altersbedingter Makula-Degeneration (AMD) erzielt. Auf Basis dieser Daten planen wir, gemeinsam mit Regeneron eine Zulassung in Europa und den USA in der 1. Hälfte des Jahres 2011 zu beantragen. VEGF Trap-Eye befindet sich noch für eine weitere Indikation in der Phase III der klinischen Entwicklung: die Behandlung des Zentralvenen-Verschlusses der Netzhaut (CRVO), auch dies eine häufige Erblindungsursache. Außerdem wird eine Phase-II-Studie zur Behandlung des diabetischen Makula-Ödems (DME) durchgeführt. VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) ist ein natürlicher Wachstumsfaktor, der die Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese) anregt. VEGF Trap-Eye blockiert diesen Wachstumsfaktor spezifisch und mit hoher Wirksamkeit, wodurch die abnorme Bildung neuer Blutgefäße, die zu Blutungen neigen, verhindert wird. Das Präparat wird lokal ins Auge appliziert. Nach erfolgter Zulassung wird Bayer das Präparat außerhalb der USA vermarkten. In den USA hält Regeneron Pharmaceuticals, Inc., USA, die alleinigen Rechte an VEGF Trap-Eye.
Mit AlpharadinTM, einem Alpha-Strahlung freisetzenden radiopharmazeutischen Wirkstoff, wurde im September 2009 ein potenzielles Krebstherapeutikum von Algeta ASA, Norwegen, zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung einlizenziert. Derzeit befindet sich die Substanz in einer weltweiten Phase-III-Studie bei Patienten mit Prostatakrebs, die auf eine Hormonbehandlung nicht mehr ansprechen und bei denen sich Knochenmetastasen gebildet haben. In 2010 wurde das Entwicklungsprogramm für AlpharadinTM um eine Phase-II-Studie mit Patientinnen mit Brustkrebs, bei denen sich Knochenmetastasen gebildet haben, ergänzt.
Um das Spektrum möglicher Anwendungsbereiche von bereits vermarkteten Produkten zu erweitern, investieren wir in ein kontinuierliches Lebenszyklus-Management. Wir wollen so neue Indikationen identifizieren und verbesserte Darreichungsformen entwickeln. So hat die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) die Marktzulassung für STAXYNTM, einer neuen Formulierung unseres Medikaments Levitra™, erteilt. Bei dem Medikament handelt es sich um eine Schmelztablette, die somit ohne Flüssigkeitszufuhr eingenommen werden kann. Auch in Europa haben wir die Zulassung unter dem Markennamen Levitra™ erhalten.
Im Segment Consumer Health haben wir unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auf 315 Mio € (Vorjahr: 275 Mio €) gesteigert, dies entspricht einer Forschungskostenquote von 5,2 % (Vorjahr: 5,0 %). Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Consumer Care konzentrieren sich in den Zentren für Produktentwicklung in Morristown (USA) und Gaillard (Frankreich) darauf, rezeptfreie Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Im Vordergrund steht dabei die Unterstützung sowohl bestehender als auch neuer Marken durch die Umsetzung produktbezogener, klinischer und regulatorischer Entwicklungsstrategien. Diese bieten die Möglichkeit, neue Technologien zu nutzen, die Indikationen für bestehende Arzneimittel zu erweitern und die Neueinstufung von bislang verschreibungspflichtigen Medikamenten als rezeptfreie Produkte erfolgreich umzusetzen. Im Jahr 2010 konnte eine Reihe neuer Produktlinienerweiterungen in verschiedenen Märkten eingeführt werden wie z. B. Bayer™ AM (Kombinationspräparat mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure und Coffein) und neue Nahrungsergänzungsmittel der Marke One A Day™ (speziell für Frauen in den Wechseljahren sowie für leistungsorientierte Männer) in den USA oder das Antacidum Mopralpro™ in Frankreich. Darüber hinaus schlossen wir im Bereich unserer verschreibungspflichtigen Dermatologieprodukte eine Lizenz- und Entwicklungsvereinbarung mit der US-amerikanischen KYTHERA Biopharmaceuticals, Inc. ab. Gemeinsam wollen wir eine Substanz zum Einsatz in der ästhetisch-dermatologischen Medizin entwickeln.
In der Division Medical Care forschen wir insbesondere auf den Gebieten der Blutzuckermessung als auch an der Weiterentwicklung medizinischer Geräte, die in der Diagnose und Therapie diverser Erkrankungen eingesetzt werden. In unseren vier US-amerikanischen Forschungs- und Entwicklungszentren im Bereich Diabetes Care, von denen das größte in Tarrytown liegt, arbeiten wir daran, unsere Produktlinien zu stärken und weitere attraktive Segmente des Diabetesmarkts für uns zu erschließen. Im Geschäftsjahr 2010 haben wir wieder verschiedene innovative Produkte in wichtigen Ländern auf den Markt gebracht, die den individuellen Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes gerecht werden – darunter Contour™ USB mit einer integrierten Diabetes-Management-Software und möglicher Direktverbindung (plug & play) mit dem PC sowie die Diabetes-Management-Software Glucofacts™ Deluxe und A1CNowTM SelfCheck, mit dem der Langzeit-Blutzuckerwert (A1c) bestimmt wird. Im Bereich unseres Medizingerätegeschäfts fokussieren wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf die kontinuierliche Verbesserung der Kontrastmittel-Injektionsgeräte sowie auf Systeme zur Entfernung von Thromben aus Blutgefäßen und für andere Gefäßeingriffe. Darüber hinaus wollen wir z. B. medizinische Datenmanagementsysteme für Kontrastmittel-Injektoren sowie Medikamente freisetzende Ballonkatheter zur Behandlung von Gefäßerkrankungen entwickeln. Unsere entsprechenden Forschungs- und Entwicklungszentren befinden sich in der Nähe von Pittsburgh und in Minneapolis (USA) sowie in Sydney (Australien).
Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Division Animal Health am Standort Monheim (Deutschland) konzentrieren sich auf die Bereiche Antibiotika und Parasitizide sowie Wirkstoffe zur Behandlung nicht-infektiöser Krankheiten bei Tieren. Neben der Entwicklung neuer Produkte gegen Parasiten bei Haus- und Nutztieren bauen wir das Produktportfolio im Bereich chronischer Nieren-, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen bei Hunden und Katzen weiter aus. Darüber hinaus wurden verschiedene Produktlinienerweiterungen in unterschiedlichen Märkten zugelassen, so z. B. in den USA für unser Advantage™ zur Vorbeugung und Behandlung des Floh- und Zeckenbefalls bei Hunden.
CropScience
Mit Forschungs- und Entwicklungskosten in Höhe von 722 Mio € (Vorjahr: 653 Mio €) entfielen 23,6 % der Aufwendungen des Bayer-Konzerns für Forschung und Entwicklung im Jahr 2010 auf CropScience. Dies entspricht einer Forschungskostenquote von 10,6 % des erzielten Umsatzes des Teilkonzerns.
CropScience verfügt über ein weltweites Netz von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, in denen 4.300 Mitarbeiter tätig sind. Unsere größten Standorte zur Erforschung und Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln sind Monheim und Frankfurt a. M. (Deutschland) sowie Lyon (Frankreich). In Gent (Belgien), Haelen (Niederlande) sowie Morrisville (USA) befinden sich unsere bedeutendsten Forschungszentren im Bereich BioScience, der sich auf die Saatguttechnologie und -züchtung konzentriert.
Während die Forschungstätigkeiten auf einige zentrale Standorte konzentriert sind, finden die Entwicklungsaktivitäten sowie die Saatgutzüchtung sowohl in zentralen Einrichtungen als auch in zahlreichen Feldversuchsstationen weltweit statt, um die Prüfung der zukünftigen Wirkstoffe und Sorten gemäß den spezifischen regionalen Erfordernissen zu gewährleisten.
Im Rahmen eines integrierten Forschungsansatzes arbeiten unsere Wissenschaftler aus den Bereichen Agrarchemie und Saatguttechnologie zunehmend enger zusammen, um die Fachkompetenzen aus der chemischen, biologischen und genetischen Forschung und Feldentwicklung optimal zu bündeln und auf unsere langfristigen Forschungsziele und Geschäftsstrategien in den einzelnen Anbaukulturen auszurichten.
Im Segment Crop Protection haben wir im Berichtszeitraum 476 Mio € (Vorjahr: 482 Mio €) für Forschung und Entwicklung aufgewandt. Im Bereich Crop Protection erforschen und entwickeln wir innovative, sichere und nachhaltige Produkte für den Einsatz als Insektizide, Fungizide, Herbizide und Saatgutbehandlungsmittel in der Landwirtschaft. Darüber hinaus arbeiten wir indikationsübergreifend in neuen zukunftsweisenden Forschungsprojekten, beispielsweise auf den Gebieten Pflanzengesundheit und Stresstoleranz. Hierbei stehen uns zusätzlich zur klassischen Chemie, Biologie und Biochemie moderne Technologien wie Genomik, Hochdurchsatz-Screening und Bioinformatik für die Identifizierung neuer chemischer Leitstrukturen zur Verfügung. Kooperationen mit externen Partnern ergänzen unsere eigenen Aktivitäten.
Wir erweitern den Einsatzbereich unserer Wirkstoffe durch neue Mischungen oder die Entwicklung innovativer Formulierungen für bereits vermarktete Produkte, um deren Anwendbarkeit auf andere Kulturpflanzen zu ermöglichen oder um deren Handhabung zu verbessern.
Die Wirkstoffpipeline von Crop Protection enthält derzeit 13 Entwicklungsprojekte; davon sind neun Projekte in der fortgeschrittenen Entwicklung und vier Projekte in einem früheren Entwicklungsstadium. Rund 38 weitere Projekte befinden sich in der frühen Forschungsphase.
Im Jahr 2010 haben wir erfolgreich mit der Vermarktung unseres neuen Reisfungizids Isotianil (Hauptmarke: Routine™) aus der chemischen Klasse der Isothiazole in Korea und Japan begonnen – es wird unser Portfolio in Asien verstärken. Der Wirkstoff aus unserer Forschungspipeline wurde in einer Partnerschaft mit dem japanischen Unternehmen Sumitomo Chemical Co., Ltd. weiterentwickelt. Isotianil schützt Reis gegen den Pilz Pyricularia oryzae, den Verursacher der Reisbräune, indem auch die natürlichen Abwehrmechanismen der Pflanzen stimuliert werden.
Zudem haben wir mit Bacillus firmus (Hauptmarke: VotivoTM) ein Mittel zur biologischen Schädlingsbekämpfung in der Saatgutbehandlung erfolgreich in den US-amerikanischen Markt eingeführt. Mit ihm haben wir unser klassisches Portfolio im Saatgutbehandlungsmarkt gegen Nematoden – im Boden lebende Fadenwürmer – erweitert.
Im Zeitraum 2011 bis 2012 stehen, die erfolgreiche Registrierung vorausgesetzt, vier weitere vielversprechende neue Wirkstoffe zur Markteinführung an:
| Geplante Markteinführungen | [Tabelle 3.35] |
|---|
| Wirkstoff | Indikation | Geplante Markteinführung |
| Bixafen | Fungizid | 2011 |
| Fluopyram | Fungizid | 2011 |
| Indaziflam | Herbizid | 2011 |
| Penflufen | Fungizid zur Saatgutbehandlung | 2012 |
Für Isotianil und Bacillus firmus sowie die Gruppe der vorgenannten vier Substanzen, die bis zum Jahr 2012 in den Markt eingeführt werden sollen, erwartet CropScience ein Spitzenumsatzpotenzial von insgesamt mehr als 1 Mrd €.
Fluopyram (Hauptmarke: Luna™) wurde zur effektiven Bekämpfung von verschiedenen hartnäckigen Pflanzenkrankheiten entwickelt, die durch Pilzerreger hervorgerufen werden. Der Wirkstoff aus der neuen Substanzklasse der Pyridinylethylbenzamide soll weltweit in der Blattapplikation und Saatgutbehandlung in mehr als 70 Kulturen zum Einsatz kommen. Wichtige Vorteile sind die verbesserte Lagerfähigkeit und die längere Haltbarkeit der Erntegüter.
Bixafen (Hauptmarke: Aviator™, Xpro™) ist ein neues Getreidefungizid mit einem ertragssteigernden Effekt aufgrund seiner positiven Auswirkungen auf die Pflanzenphysiologie. Der Wirkstoff aus der Gruppe der Pyrazole ist speziell für die Blattanwendung gegen Blattdürre (Septoria tritici) und Braunrost (Puccinia recondita) entwickelt worden. Als Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe eignet sich Bixafen sehr gut als Baustein im Resistenzmanagement.
Indaziflam (Alion™, Specticle™) ist ein neues Alkylazin-Herbizid. Der Wirkstoff zeichnet sich durch seine lang anhaltende Wirkungsdauer aus und erfasst ein breites Spektrum schwer bekämpfbarer Ungräser und Unkräuter. Indaziflam ist für den Einsatz in landwirtschaftlichen Spezialkulturen – beispielsweise im Obst- und Weinbau – wie auch in einer großen Anzahl nicht-landwirtschaftlicher Märkte vorgesehen, u. a. zur Unkrautkontrolle auf Wegen und Plätzen.
Penflufen (Emesto™, Emerion™) ist ein neues Pyrazolfungizid zur Saatgutbehandlung in vielen unterschiedlichen Kulturen, z. B. Kartoffeln, Raps, Sojabohnen, Mais und Baumwolle. Neben der Wirkung gegen verschiedene samenbürtige Krankheitserreger zeichnet sich diese Substanz durch besondere Stärke und Wirkungsbreite gegenüber der Pilzgattung Rhizoctonia aus. Aufgrund seiner guten Saatgutverträglichkeit trägt Penflufen zur besonders kräftigen Jungpflanzenentwicklung bei.
Im Segment Environmental Science/BioScience steigerten wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen deutlich auf 246 Mio € (Vorjahr: 171 Mio €), was auf dem Ausbau unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten bei BioScience beruht.
Der Bereich Environmental Science testet und beurteilt die bei Crop Protection entwickelten Substanzen für eine mögliche Anwendung außerhalb der Landwirtschaft. Gleichzeitig werden Wirkstoffe von Fremdfirmen geprüft und im Erfolgsfall zugekauft. Zu den aktuellen Entwicklungsprojekten gehören Gele und Köder gegen Schadinsekten, neue Herbizide und Fungizid-Wirkstoffmischungen, biologische Lösungen sowie Mittel gegen krankheitsübertragende Insekten.
2010 wurde die NatriaTM-Produktlinie erfolgreich in den USA und in Deutschland eingeführt. „Bayer Advanced“ in den USA bzw. „Bayer Garten“ in Deutschland bieten damit eine neue Produktlinie an, die auf natürlichen bzw. der Natur entlehnten Wirkstoffen beruht. Für 2011 planen wir die Erweiterung der Produktlinie sowie deren Einführung in Frankreich und weiteren europäischen Märkten. Für das Moskitonetz Lifenet™ planen wir nach der Einreichung im Jahr 2010 bei dem Pesticide Evaluation Scheme der Weltgesundheitsorganisation (WHOPES) die Markteinführung in den ersten Ländern noch im Jahr 2011. Eine neue Insektizidformulierung mit Langzeitwirkung zur Bekämpfung von Malariamücken wurde ebenfalls im Jahr 2010 bei der WHO eingereicht. Im Rahmen einer weiteren Forschungskooperation zwischen CropScience und dem Innovative Vector Control Consortium (IVCC) in Liverpool, Großbritannien, wurden eine neue Insektizid-Forschungsplattform erfolgreich aufgebaut sowie erste konkrete Ergebnisse erzielt.
Im Bereich BioScience forschen wir an der Optimierung von Pflanzeneigenschaften und entwickeln neue Sorten in unseren bisherigen Kernkulturen Baumwolle, Raps und Reis sowie im Gemüsesaatgutbereich. Mittlerweile haben wir unsere Forschungsaktivitäten auch auf Getreide und Sojabohnen als neue Kernkulturen ausgedehnt; zudem forschen wir an Zuckerrohr mit erhöhtem Zuckergehalt. Im Fokus unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten stehen die agronomischen Eigenschaften dieser Kulturen. Unsere Forscher arbeiten u. a. an der Entwicklung von Pflanzen, die eine hohe Toleranz gegenüber Stressfaktoren wie extreme Temperaturen und Trockenheit aufweisen. Darüber hinaus wollen wir die Ertragskraft von Nutzpflanzen steigern und die Pflanzenqualität erhöhen – z. B. durch veränderte Rapsölprofile oder optimierte Baumwoll-Faserqualitäten. Weitere Schwerpunkte bestehen darin, neue Herbizidtoleranzen auf der Basis alternativer Wirkmechanismen zu entwickeln sowie die Resistenz gegenüber Insekten und Pflanzenkrankheiten zu verbessern. Die verwendeten Technologien umfassen alle modernen Züchtungsverfahren, auch die Pflanzenbiotechnologie. Unsere Forschungs- und Entwicklungspipeline im Bereich BioScience umfasst gegenwärtig mehr als 60 vielversprechende Leitprojekte und wird durch rund 80 laufende Forschungsvereinbarungen mit öffentlichen und privaten Partnern ergänzt.
Das Geschäftswachstum im Bereich BioScience wird durch die Einführung neuer Sorten unterstützt. Beispielsweise vermarkten wir gemeinsam mit namhaften Saatgutherstellern in den USA unsere LibertyLink™-Herbizidtoleranz-Technologie in Sojabohnensaatgut. Im Jahr 2011 ist die Markteinführung von mehreren Saatgutinnovationen vorgesehen, darunter z. B. Baumwollsaatgut mit unserer eigenen Glyphosat-Herbizidtoleranz-Technologie.
MaterialScience
MaterialScience wandte im vergangenen Jahr für Forschung und Entwicklung (ohne Entwicklungsprojekte mit Kunden) 231 Mio € (Vorjahr: 207 Mio €) auf. Damit entfielen rund 7,6 % der konzernweiten Forschungs- und Entwicklungskosten auf MaterialScience. Für den Teilkonzern selbst lag die Forschungskostenquote bei 2,3 % vom Umsatz. 1.000 Mitarbeiter waren mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben betraut.
Im Bereich der Polyurethane konzentrieren wir uns darauf, die Anwendungsgebiete unserer Produkte zu erweitern und deren Eigenschaften zu verbessern. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist die Bauindustrie, wo Hartschaum auf Basis von Polyurethanen (PU) als hocheffizienter Dämmstoff dient und damit einen aktiven Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs und zum Schutz des Klimas leistet. Da viele Länder ihre Vorschriften zur Energiesenkung bei Gebäuden verschärfen, rechnen wir in allen Klimazonen mit einer steigenden Nachfrage nach solchen PU-Hartschäumen, zumal sich mit ihnen im Vergleich zu konventionellen Dämmstoffen deutlich bessere Wärmedämmungen erzielen lassen.
Ein weiteres Beispiel zukunftsweisender Anwendungen sind Rahmen aus Polyurethan für Photovoltaikanlagen. In enger Zusammenarbeit mit der Firma Puren GmbH in Überlingen (Deutschland) haben wir ein System zur Energiegewinnung aus Sonnenstrahlung entwickelt, das mit einer hocheffizienten Wärmedämmung kombiniert ist und so zwei wichtige Anforderungen im modernen Hausbau miteinander vereint.
Auch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe spielt eine wichtige Rolle bei den Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. So wurde ein Konzept für einen „grünen Schuh“ entwickelt, der bis zu 90 % aus Komponenten besteht, die mit besonders umweltschonenden Verfahren oder unter Einsatz von erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden. Die Schuhsohle beispielsweise besteht aus Polyurethan, das vor allem aus Sojaöl gefertigt wurde. Bei der vorderen Schuhkappe wurde eine auch auf pflanzlicher Stärke basierende Polycarbonat-Mischung verwendet.
Der Innovationsschwerpunkt im Bereich Prozessentwicklung fokussiert sich auf die Herstellung neuer und verbesserter Rohstoffe und Rezepturen. Konkret geht es hier um moderne Alternativen zur Produktion von Polyetherpolycarbonatpolyolen (PPP), einem Ausgangsstoff für Polyurethane. MaterialScience arbeitet zusammen mit internen und externen Partnern daran, klimaschädliches Kohlendioxid als Rohstoff für die PPPs nutzbar zu machen. Diese intelligente Verwertung von CO2 reduziert unseren Bedarf an fossilen Rohstoffen und trägt so zum Schutz der Umwelt bei. Möglich macht dies ein Durchbruch in der Katalyseforschung, der auf Ergebnissen aus der intensiven Zusammenarbeit mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und dem gemeinsam von MaterialScience und Bayer Technology Services geführten CAT Catalytic Center in Aachen beruht.
Im Bereich der Polycarbonate konzentrieren sich Forschung und Innovation u. a. auf die Entwicklung neuer Produkte, die gewichtsreduzierte Anwendungen ermöglichen, neue Maßstäbe für Energieeffizienz und Sicherheit setzen sowie eine höhere Designfreiheit erlauben.
Unter der Bezeichnung „Focused Innovation“ (fokussierte Innovation) konzentrieren wir unsere Ressourcen auf klar umrissene Wachstumsbereiche, in denen Bedürfnisse von Kunden noch nicht befriedigt werden konnten. Unter der Bezeichnung „Open Innovation“ (Offenheit) entwickeln wir neue Lösungen in aktiver Kooperation mit externen Partnern. Ein Beispiel ist das gemeinsame Projekt zur Entwicklung modernster Technologien für die Automobilbeleuchtung auf LED-Basis, welche die Energieeffizienz moderner Scheinwerfer-Systeme entscheidend verbessern können. Wir arbeiten hier eng mit einem großen Automobilzulieferer, einem Hersteller von Spritzgusswerkzeugen und der Fraunhofer-Gesellschaft als Europas größter Organisation für anwendungsorientierte Forschung zusammen. Bei „Global Innovation“ werden unsere Entwicklungsaktivitäten in der ganzen Welt (globale Ausrichtung) intensiv durch unser Zentrum für Polycarbonat-Produkt- und -Anwendungsentwicklung in Leverkusen (Deutschland) unterstützt.
Mit dieser Strategie konzentrieren wir uns auf ausgewählte Entwicklungsgebiete. Dazu gehören Polycarbonat-Verscheibungen und andere Leichtbau-Lösungen für den Verkehrssektor, LED-Beleuchtungsmanagement (z. B. Straßenbeleuchtung), Sicherheitsanwendungen (z. B. Sicherheitsverscheibungen) sowie die Verbesserung der Kosteneffizienz bei Fertigungsprozessen. Wichtig ist uns auch die Weiterentwicklung besonders umweltfreundlicher Produkttypen, z. B. Polycarbonat-Mischungen, die wiederaufbereitete Altkunststoffe oder biobasierte Stoffe enthalten. So möchten wir unsere Kunden bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützen.
Die Forschungs- und Entwicklungsbereiche der Business Unit Coatings, Adhesives, Specialties treiben Entwicklungen von Polyurethan-Rohstoffen für hochwertige Lack-, Kleb- und Dichtstoffe voran. Zudem geht es darum, neue technologiegetriebene Märkte für unser Geschäft mit kosmetischen und medizinischen Anwendungen, funktionalen Folien und Nanotechnologie zu erschließen. Dabei setzen wir auch auf strategische Allianzen mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft.
Im Kerngeschäft der klassischen Lack-, Kleb- und Dichtrohstoffe liegt der Schwerpunkt auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung von umweltfreundlichen Systemen, die wasser- statt lösemittelbasiert sind oder mittels UV-Strahlung effizient ausgehärtet werden können. Ein Beispiel für die Erschließung neuer Marktsegmente stellen hier unsere hochwertigen Lackrohstoffe für die Windkraftanlagen dar, welche die Wetterfestigkeit von Rotorblättern deutlich verbessern können.
Um maßgeschneiderte Anwendungen geht es auch in der Medizintechnik. Unser Angebot an Beschichtungen und Klebstoffen in diesem Segment ist seit 2010 unter dem Vertriebsnamen Baymedix™ gebündelt. Es reicht von hochfunktionalen Beschichtungen über spezielle Rohstoffe für Klebstoffe und Pflaster in der Wundversorgung bis zu thermoplastischen Kunststoffen für chirurgische und diagnostische Geräte. Auf dem Gebiet der Kosmetik, wo wir Vorprodukte für Gesichts- und Körperpflege, Haar-Styling oder Sonnenschutz entwickeln, erfüllt die neue Produktlinie Baycusan™ C wichtige Anforderungen an „grüne“ Rohstoffe wie den Verzicht auf Konservierungsmittel.
Im Bereich der funktionalen Folien strafften wir unser Forschungs-Portfolio. Im Zentrum stehen künftig zum einen Folien auf Basis von Polycarbonat bzw. thermoplastischem Polyurethan. Durch Kombination mit zusätzlichen Technologien oder speziellen Eigenschaftsprofilen eröffnen sich z. B. durch multifunktionale oder holographische Folien neue Anwendungsfelder in unterschiedlichsten Industrien. Dazu wurde in Leverkusen eine moderne Beschichtungsanlage in Betrieb genommen. Zum anderen konzentrieren wir uns auf das Thema elektroaktive Polymere und haben mit der Übernahme des US-Unternehmens Artificial Muscle, Inc. unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet weiter gestärkt. Außerdem wurde 2010 ein neues Forschungszentrum für funktionale Folien in Singapur eröffnet, um besonders die wachsende Nachfrage in der Region Asien/Pazifik nach innovativen folienbasierten Produkten für den Elektronikmarkt zu bedienen.
Bayer Technology Services
Bei technologischen Lösungen, insbesondere in den Bereichen der Prozesstechnologie, dem Anlagenbau, der Automatisierung und der Produktentwicklung, arbeiten alle Teilkonzerne weltweit eng mit unserer Servicegesellschaft Bayer Technology Services zusammen. Die Servicegesellschaft entwickelt z. B. zusammen mit MaterialScience neue, energie- und rohstoffeffiziente Produktionsverfahren und unterstützt somit den Teilkonzern, seine Technologie- und Kostenführerschaft zu sichern. Beispiele sind das neue Produktionsverfahren zur Herstellung von TDI, das erstmals am MaterialScience-Standort in Shanghai eingesetzt werden wird, oder die katalysierte Umsetzung von Kohlendioxid zu Polymeren. Die zentrale Weiterentwicklung von teilkonzernübergreifenden Querschnittstechnologien – wie z. B. der Nano- und Biotechnologie oder des Know-hows auf dem Gebiet der mathematischen Simulation und der statistischen Datenanalyse – hilft HealthCare und CropScience, die Entwicklungszeiten für neue Produkte zu verkürzen. Dazu gehören auch völlig neue Produktionskonzepte, die zukünftig z. B. in dem in Bau befindlichen Forschungszentrum INVITE, einer Kooperation von Bayer Technology Services und der Technischen Universität Dortmund, entwickelt werden. Ein weiteres strategisches Kernelement ist dabei die internationale Beschaffung von Know-how. Es reicht von landesspezifischem Wissen bei der Abwicklung von Investitionsprojekten bis zur weltweiten Erschließung von Innovationen.
Bayer Innovation
Innovationsthemen, die am Rande der Kernaktivitäten der Teilkonzerne liegen, werden von der Bayer Innovation erarbeitet, bewertet und zu tragfähigen neuen Geschäften für den Konzern weiterentwickelt. Ein Arbeitsgebiet ist die Herstellung von Medikamenten in Pflanzen. Im Jahr 2010 wurde mit der klinischen Studie (Phase I) eines personalisierten Krebsimpfstoffs zur Therapie des Non-Hodgkin-Lymphoms begonnen. Im Gebiet Landwirtschaft sind neuartige Hybrid-Konzepte basierend auf Polymertechnologien und Pflanzenschutzmitteln in der Entwicklung. Das volle Potenzial dieser Technologien wird in enger Kooperation mit den Teilkonzernen sowie mit externen Partnern evaluiert.
Triple-i: Inspirationen, Ideen, Innovationen
Die Innovationsoffensive „Triple-I: Inspiration, Ideen, Innovationen“ motiviert alle Bayer-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter weltweit, Ideen für neue Produkte einzureichen und somit einen Beitrag zur Stärkung der Innovationskraft des Unternehmens zu leisten. Seit Beginn der Initiative wurden über 11.000 Ideen eingereicht. Erste Produkte konnten bereits erfolgreich im Markt eingeführt werden. Im Jahr 2010 setzte Triple-i zwei Schwerpunkte: Die „Your Heart“-Kampagne, die neue Chancen im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin identifizieren soll, und die Triple-i-Vietnam-Kampagne für neue Anwendungen von MaterialScience-Materialien in Vietnam.