Konzernlagebericht
Geschäftsjahr 2010:
Bayer operativ auf Kurs
Forschungs- und Entwicklungsfortschritte stimmen optimistisch
- Konzernziele erreicht
- MaterialScience stark – HealthCare und CropScience unter den Erwartungen
- Mehr als 3 MRD € für Forschung und Entwicklung
- Hohe Sondereinflüsse belasten Konzernergebnis
- Starker operativer Cashflow – Netto-Finanzverschuldung unter 8 MRD €
- Zuversichtlich für 2011: Anstieg des bereinigten Ergebnisses je Aktie um ca. 10 % erwartet
1. Umsatz, Ertrags- und Finanzlage im Überblick
Gesamtjahr 2010
Im Geschäftsjahr 2010 haben wir unsere Konzernziele erreicht. Den Umsatz konnten wir um 12,6 % bzw. währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 8,0 % auf den Rekordwert von 35,1 Mrd € steigern. Das EBITDA vor Sondereinflüssen verbesserten wir um 9,7 % auf 7,1 Mrd €. Das bereinigte Ergebnis je Aktie konnten wir um 15,1 % auf 4,19 € erhöhen. Diese Steigerungen sind auf die starke Erholung des MaterialScience-Geschäfts sowie positive Währungseffekte zurückzuführen. Hingegen blieb HealthCare insgesamt leicht hinter unseren Erwartungen zurück, das CropScience-Geschäft – vor allem im 1. Halbjahr – sogar deutlich. Um HealthCare und CropScience nachhaltig zu stärken und die Innovationskraft zu erhöhen, haben wir ein gezieltes Maßnahmenprogramm eingeleitet. Zugleich haben wir – zur Unterstützung unserer sich weiterhin positiv entwickelnden Forschungs- und Entwicklungspipeline – die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen im Jahr 2010 signifikant auf 3,1 Mrd € (Vorjahr: 2,7 Mrd €) gesteigert.
Das Konzernergebnis war im Geschäftsjahr 2010 jedoch durch Sonderaufwendungen in Höhe von 1,7 Mrd €, die im Wesentlichen aus außerplanmäßigen Abwertungen und Rechtsfällen resultierten, erheblich belastet und ging um 4,3 % auf 1.301 Mio € (Vorjahr: 1.359 Mio €) zurück. Damit betrug das Ergebnis je Aktie lediglich 1,57 € (Vorjahr: 1,70 €).
Die Netto-Finanzverschuldung konnten wir durch einen nochmals verbesserten operativen Cashflow um 1,8 Mrd € auf 7,9 Mrd € senken.
| Umsatzveränderung | [Tabelle 3.1] |
|---|
| | 2009 | 2010 |
| | in % | in % |
| Menge | -2,9 | 6,7 |
| Preis | -2,8 | 1,3 |
| Währung | 0,6 | 4,9 |
| Portfolio | -0,2 | -0,3 |
| Gesamt | -5,3 | 12,6 |
Der Konzernumsatz stieg auf 35.088 Mio € (Vorjahr: 31.168 Mio €). Währungs- und portfoliobereinigt verzeichnete HealthCare einen leichten Anstieg von 1,7 %. Der CropScience-Umsatz ging aufgrund des schwachen 1. Halbjahres etwas zurück (-1,3 % wpb.). Bei MaterialScience erzielten wir hingegen im Zuge der konjunkturellen Erholung ein deutliches Wachstum von 30,1 % (wpb.). Dabei erreichten wir bereits im 2. Quartal wieder das Volumen des Jahres 2008.
Das EBIT des Bayer-Konzerns sank trotz der positiven Geschäftsentwicklung bei MaterialScience um 9,2 % auf 2.730 Mio € (Vorjahr: 3.006 Mio €). Ergebnisbelastend wirkten sich Sonderaufwendungen in Höhe von 1.722 Mio € (Vorjahr: 766 Mio €) aus. Diese wurden im Geschäftsjahr 2010 in Höhe von 957 Mio € für außerplanmäßige Abwertungen, 703 Mio € für Rechtsfälle und 62 Mio € für Restrukturierungen berücksichtigt. Das EBIT vor Sondereinflüssen betrug 4.452 Mio € (Vorjahr: 3.772 Mio €). Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 9,7 % auf 7.101 Mio € (Vorjahr: 6.472 Mio €). Dabei profitierten wir auch von positiven Währungseffekten in Höhe von rund 0,4 Mrd €. MaterialScience konnte das EBITDA vor Sondereinflüssen insbesondere aufgrund der deutlichen Mengen- und Preissteigerungen auf 1.356 Mio € verdreifachen. Hingegen verzeichnete CropScience in einem schwachen Marktumfeld mit aggressivem Wettbewerb einen Rückgang des EBITDA vor Sondereinflüssen um 14,3 % auf 1.293 Mio € (Vorjahr: 1.508 Mio €). Bei HealthCare sank das EBITDA vor Sondereinflüssen leicht auf 4.405 Mio € (Vorjahr: 4.468 Mio €). Dies beruhte vor allem auf höheren Aufwendungen für Vertrieb, Forschung und Entwicklung, Belastungen aus Gesundheitsreformen verschiedener Länder sowie den Auswirkungen der vorzeitigen Generisierung von YAZ™ in den USA.
Unter Berücksichtigung eines
Finanzergebnisses von -1.009
Mio € (Vorjahr: -1.136
Mio €), welches ein Zinsergebnis von -499
Mio € (Vorjahr: -548
Mio €) beinhaltete, betrug das
Ergebnis vor Ertragsteuern 1.721
Mio € (Vorjahr: 1.870
Mio €). Nach Abzug eines Steueraufwands von 411
Mio € (Vorjahr: 511
Mio €) sowie nach Anteilen anderer Gesellschafter ergab sich für das Jahr 2010 ein
Konzernergebnis von 1.301
Mio € (Vorjahr: 1.359
Mio €). Das Ergebnis je Aktie betrug 1,57 € (Vorjahr: 1,70 €). Das bereinigte Konzernergebnis je Aktie erhöhte sich um 15,1 % auf 4,19 € (Vorjahr: 3,64 €); zur Berechnung siehe Kapitel 4.3
„Bereinigtes Ergebnis je Aktie“.
Den Brutto-Cashflow steigerten wir im Jahr 2010 um 2,4 % auf 4.771 Mio € (Vorjahr: 4.658 Mio €). Eine weitere Optimierung des Working-Capital-Managements hat zu einer deutlichen Senkung der Mittelbindung beigetragen. Der Netto-Cashflow stieg um 7,4 % auf 5.773 Mio € (Vorjahr: 5.375 Mio €). Die Nettofinanzverschuldung konnten wir im Vergleich zum 31. Dezember 2009 um 1,8 Mrd € auf 7,9 Mrd € verringern. Die Nettopensionsverpflichtungen als Saldo von Pensionsverpflichtungen und Planvermögen stiegen im Vergleich zum 31. Dezember 2009 vor allem aufgrund gesunkener langfristiger Kapitalmarktzinsen um 0,8 Mrd € auf 7,2 Mrd €.
4. Quartal 2010
Im 4. Quartal 2010 erzielte der Bayer-Konzern ein deutliches Plus bei Umsatz und bereinigtem Ergebnis, während das EBIT vor allem durch hohe außerplanmäßige Abwertungen stark belastet war. Insbesondere die weitere Erholung des MaterialScience-Geschäfts hat zu der Verbesserung im operativen Geschäft beigetragen. CropScience erhöhte den Umsatz und das EBITDA vor Sondereinflüssen. HealthCare blieb bei leicht gesteigertem Umsatz geringfügig hinter dem EBITDA vor Sondereinflüssen des Vorjahres zurück.
Der Konzernumsatz wuchs um 14,5 % auf 9.012 Mio € (Vorjahr: 7.872 Mio €). Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte (wpb.) verzeichneten wir ein Plus von 8,1 %. Der Umsatz von HealthCare erhöhte sich um 7,3 % (wpb. +1,4 %). Dabei konnten wir den währungs- und portfoliobereinigten Umsatz im Pharma-Geschäft – trotz rückläufiger Umsätze in Nordamerika – leicht steigern. Bei Consumer Health verzeichneten wir einen währungsbereinigten Umsatz auf Vorjahresniveau. Die Umsatzeinbußen bei den Blutzuckermessgeräten in den USA aufgrund der schwierigen Marktsituation wurden durch die positive Entwicklung in den anderen Divisionen ausgeglichen. CropScience hatte ein starkes 4. Quartal. In einem positiven Marktumfeld stieg der Umsatz um 18,2 % (wpb. +9,7 %). Der Umsatz von MaterialScience stieg im Vergleich zu dem konjunkturbedingt niedrigen Vorjahreswert deutlich um 28,2 % (wpb. +21,6 %).
Das EBIT des Bayer-Konzerns fiel um 86,1 % auf 51 Mio € (Vorjahr: 366 Mio €). Das 4. Quartal 2010 war durch hohe Sonderaufwendungen in Höhe von insgesamt 954 Mio € belastet (Vorjahr: 451 Mio €). Diese resultierten vor allem aus außerplanmäßigen Abwertungen in Höhe von 825 Mio €. Daneben haben wir für Rechtsfälle in den USA zusätzlich 67 Mio € berücksichtigt. Davon entfielen 41 Mio € auf HealthCare für Rechtsfälle bei YAZ™/Yasmin™ sowie 26 Mio € auf CropScience – im Wesentlichen für ein angestrebtes Vergleichsprogramm im Zusammenhang mit Verfahren wegen gentechnisch veränderter Reispflanzen (LL RICE). Des Weiteren haben wir Sonderaufwendungen für Restrukturierungen bei HealthCare in Höhe von 62 Mio € berücksichtigt. Das EBIT vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 23,0 % auf 1.005 Mio € (Vorjahr: 817 Mio €).
Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns verbesserten wir um 11,6 % auf 1.689 Mio € (Vorjahr: 1.513 Mio €). Hierzu haben insbesondere der kräftige Ergebnisanstieg bei MaterialScience sowie positive Währungseffekte beigetragen. HealthCare erwirtschaftete ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 1.138 Mio € (Vorjahr: 1.154 Mio €). Darin ist ein Ertrag in Höhe von 68 Mio € aus der Beilegung eines Patentstreits im Zusammenhang mit YAZ™ enthalten, der einen Teil der im Jahresverlauf verloren gegangenen Marge ausgleicht. CropScience steigerte das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA auf 270 Mio € (Vorjahr: 166 Mio €). Hierin wurden Einmalerträge von 44 Mio € aus dem Verkauf älterer Wirkstoffe und einer getroffenen Lizenz-Vereinbarung berücksichtigt. MaterialScience erreichte ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 297 Mio € (Vorjahr: 203 Mio €).
Unter Berücksichtigung eines Finanzergebnisses von -237
Mio € (Vorjahr: -248
Mio €) betrug das Ergebnis vor Ertragsteuern -186
Mio € (Vorjahr: 118
Mio €). Der Steuerertrag belief sich – bedingt durch das negative Vorsteuerergebnis im 4. Quartal – auf 45
Mio € (Vorjahr: 38
Mio €). Nach Anteilen anderer Gesellschafter ergibt sich ein Konzernergebnis von -145
Mio € (Vorjahr: 153
Mio €). Das Ergebnis je Aktie betrug -0,18 € (Vorjahr: 0,18 €). Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg auf 0,95 € (Vorjahr: 0,90 €); zur Berechnung siehe Kapitel 4.3
„Bereinigtes Ergebnis je Aktie“.
Der Brutto-Cashflow des Konzerns lag mit 1.414 Mio € (Vorjahr: 1.029 Mio €) um 37,4 % über dem des Vorjahres. Ursächlich für diesen Anstieg war die Verbesserung im operativen Geschäft. Der Netto-Cashflow erhöhte sich um 9,9 % auf 1.941 Mio € (Vorjahr: 1.766 Mio €). Die Nettofinanzverschuldung konnten wir im 4. Quartal 2010 deutlich auf 7,9 Mrd € senken (30. September 2010: 9,1 Mrd €).
| Kennzahlen nach Teilkonzernen und Segmenten im Überblick, 4. Quartal | [Tabelle 3.2] |
|---|
| | Umsatzerlöse | EBIT | EBITDA vor Sondereinflüssen* |
| | 4. Quartal 2009 | 4. Quartal 2010 | 4. Quartal 2009 | 4. Quartal 2010 | 4. Quartal 2009 | 4. Quartal 2010 |
| | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € | in Mio € |
| HealthCare | 4.164 | 4.468 | 463 | -129 | 1.154 | 1.138 |
| Pharma | 2.698 | 2.897 | 234 | -307 | 789 | 830 |
| Consumer Health | 1.466 | 1.571 | 229 | 178 | 365 | 308 |
| CropScience | 1.398 | 1.653 | -56 | 118 | 166 | 270 |
| Crop Protection | 1.177 | 1.367 | -42 | 160 | 149 | 266 |
Environmental Science/ BioScience | 221 | 286 | -14 | -42 | 17 | 4 |
| MaterialScience | 2.016 | 2.584 | 14 | 156 | 203 | 297 |
| Überleitung | 294 | 307 | -55 | -94 | -10 | -16 |
| Konzern | 7.872 | 9.012 | 366 | 51 | 1.513 | 1.689 |
| * Zur Definition siehe Kapitel 4.2 „Ermittlung des EBIT(DA) vor Sondereinflüssen“. |