Konzern
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Gute Wachstumschancen für unsere Geschäfte

Marijn Dekkers
es ist mir eine große Freude, Ihnen als neuer Vorsitzender des Vorstands den Geschäftsbericht für das Jahr 2010 präsentieren zu können. Aus diesem Anlass möchte ich eine persönliche Aussage voranstellen: Bayer ist ein starkes Unternehmen von Weltrang – und ich bin sehr stolz darauf, nun ein Teil von Bayer zu sein.
Wir alle wissen, dass sich mein Vorgänger, Werner Wenning, um Bayer sehr verdient gemacht hat. Bis zum Stabwechsel am 01. Oktober 2010 konnte ich eng mit ihm zusammenarbeiten – und für diese Unterstützung bin ich ihm persönlich sehr dankbar.
Auch die weiteren neuen Mitglieder in unserem Führungskreis haben die Arbeit engagiert aufgenommen. Das gilt für Sandra Peterson an der Spitze von Bayer CropScience ebenso wie für Jörg Reinhardt bei Bayer HealthCare. Und natürlich auch für Werner Baumann, unseren neuen Finanzvorstand in der Holding. Wir sind zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit Wolfgang Plischke und Richard Pott als den etablierten Kollegen im Vorstand der Bayer AG sowie mit Patrick Thomas als CEO von Bayer MaterialScience zu einem starken Team zusammenwachsen werden.
Schauen wir nun auf das abgelaufene Geschäftsjahr: Obwohl die Auswirkungen der Krise weiterhin spürbar waren, hat sich die Weltwirtschaft von der tiefen Rezession überraschend schnell erholt. Auch in der zweiten Jahreshälfte 2010 stieg – bei nachlassender Dynamik – die gesamtwirtschaftliche Produktion weiter an.
In diesem Umfeld steigerten wir den Umsatz im Konzern um 12,6 Prozent auf 35,1 Milliarden Euro – das ist ein neuer Rekord in der Unternehmensgeschichte. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte ist dies ein Plus von 8,0 Prozent. Mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen von 7,1 Milliarden Euro konnten wir das operative Ergebnis um 9,7 Prozent steigern. Und das bereinigte Ergebnis je Aktie verzeichnet einen Anstieg um 15,1 Prozent. Wir haben damit unsere kommunizierten Ziele für das Jahr 2010 erreicht. Zudem konnten wir die Netto-Finanzverschuldung durch einen nochmals verbesserten operativen Cashflow um 1,8 Milliarden Euro auf 7,9 Milliarden Euro senken.
Dies ist nicht zuletzt das Verdienst unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne ihre hohe fachliche Kompetenz und ihren großen Einsatz wäre ein solcher Erfolg nicht denkbar. Dafür bedanke ich mich – auch im Namen des gesamten Vorstands – ganz ausdrücklich.
Im Geschäftsjahr 2011 und darüber hinaus stehen wir jedoch vor erneuten Herausforderungen. Denn das Ergebnis 2010 war teilweise von Faktoren geprägt, die nicht vorherzusehen waren. So konnte zwar unser Teilkonzern MaterialScience schneller als gedacht wieder an das Vorkrisenniveau herankommen. Und auch Währungseffekte fielen spürbar zu unseren Gunsten aus. Der Geschäftsverlauf bei unseren Teilkonzernen CropScience und HealthCare hingegen blieb hinter unseren Erwartungen zurück. Bei HealthCare machte sich die Generikakonkurrenz deutlich bemerkbar. Negativ ist insbesondere der Druck auf die Yaz™/Yasmin™-Familie, den größten Umsatzträger für unser Pharmageschäft. Auch die preisrelevanten Gesundheitsreformen in vielen Ländern belasten unseren Umsatz und vor allem auch unser Ergebnis erheblich. Zudem erhöhten wir unsere Aufwendungen für Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung. Für den Teilkonzern CropScience führte die starke Konkurrenz durch Generika vor allem bei Herbiziden zu einem deutlichen Preisverfall. Das Jahr 2010 war zudem von nachteiligen Witterungs-bedingungen in fast allen wichtigen Absatzmärkten des Teilkonzerns gekennzeichnet.
Neben diesen Herausforderungen sehen wir aber auch sehr gute Wachstumschancen für unsere Geschäfte. Denn jeder unserer drei Teilkonzerne adressiert mit seinen Produkten und Lösungen einige der wichtigsten aktuellen globalen Trends in den Bereichen Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Um diese Chancen auf Wachstum wahrzunehmen, müssen wir uns weiter auf unsere Kernkompetenz konzentrieren: das Hervorbringen von innovativen Produkten. Unsere Mission „Bayer: Science For A Better Life“ bringt dies auf den Punkt.
Das bedeutet konkret: Bei HealthCare gilt es, weiter in unsere gute Pipeline innovativer Wirkstoffe zu investieren und unsere neuen Produkte zukünftig noch besser zu vermarkten. Hier haben wir unter anderem mit unserem Gerinnungshemmer Xarelto™ einen großen Hoffnungsträger. Anfang des Jahres 2011 wurde für Xarelto™ sowohl in Europa als auch in den USA der Zulassungsantrag für die Indikation der Schlaganfallprophylaxe bei Patienten mit Vorhofflimmern gestellt. Wir halten an unserer Aussage fest, dass wir Xarelto™ in Zukunft insgesamt ein Spitzenumsatzpotenzial von über zwei Milliarden Euro zutrauen. Weitere Beispiele für unsere gute Pipeline sind VEGF Trap-Eye (Ophthalmologie), Qlaira™ und YAZ™ Plus (Gynäkologie), AlpharadinTM und neue Indikationen bei Nexavar™ (jeweils Onkologie) sowie schließlich Riociguat im Bereich der Kardiologie.
Auch bei CropScience wollen wir unsere fortgeschrittenen Entwicklungen optimal vermarkten. Hier haben wir im klassischen Pflanzenschutz-Segment eine der besten Forschungs- und Entwicklungspipelines weltweit, in die wir weiter investieren. Wir planen, bis 2012 sechs neue Produkte auf den Markt zu bringen. Zudem wollen wir im Bereich Saatgut und Pflanzeneigenschaften schneller vorankommen, was ebenfalls weitere Mittel erfordert. Denn in Zukunft werden die Landwirte, unsere Kunden, mehr und mehr die klassischen Pflanzenschutzprodukte im Paket mit den neuen Technologien, also Saatgut und Pflanzeneigenschaften, kaufen wollen.
Bayer MaterialScience entwickelt zahlreiche neue Produkte sowie Anwendungen, die wichtige Beiträge für Ressourcen-Effizienz und Klimaschutz leisten. Als Erfolg sehen wir dort mehr als 20 Prozent des Umsatzes mit Produkten, die seit 2005 auf den Markt gekommen sind. Allerdings werden Teile des Portfolios immer mehr zu Massenware. Daher gibt es für MaterialScience einen klaren Fokus: die Kosten- und Technologieführerschaft, die allerdings nur über fortlaufend hohe Investitionen, vor allem in Sachanlagen, zu erreichen ist.
Für alle drei Teilkonzerne gilt schließlich, dass wir unsere Präsenz in den Schwellenländern – den sogenannten Emerging Markets – weiter ausbauen müssen, denn dort entwickeln sich unsere Abnehmermärkte besonders dynamisch. Das bedeutet hohe Ausgaben für Produktions- und Forschungsanlagen vor Ort und vor allem auch den Aufbau und die Förderung von Mitarbeitern in den betreffenden Ländern.
Wir stehen also in einem Spannungsverhältnis zwischen den Herausforderungen in unserem Geschäft und den notwendigen Investitionen in unsere Innovationskraft sowie in regionale Wachstumsmärkte, die der Schlüssel für weiteres Wachstum und Erfolg im Wettbewerb sind. Entscheidend ist, dass wir heute die Weichen stellen müssen, um unsere Chancen in Zukunft auch zu nutzen.
Unsere Aufwendungen für Forschung und Entwicklung haben wir daher schon im Jahr 2010 um 11,2 Prozent auf einen neuen Rekord von 3,1 Milliarden Euro gesteigert. In absoluten Zahlen bedeutet das eine Steigerung um rund 300 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Für 2011 erwarten wir Aufwendungen auf demselben Niveau. Außerdem werden wir unsere Investitionen in den Emerging Markets weiter steigern.
Gleichzeitig müssen wir unseren finanziellen Spielraum erhöhen, um diese Investitionen trotz der geschilderten Herausforderungen auch umsetzen zu können. Wie im November des vergangenen Jahres kommuniziert, werden wir die notwendigen Mittel durch eine gezielte Umschichtung von Ressourcen aufbringen, unterstützt durch Effizienz- und Sparmaßnahmen. Hier gilt: mehr Innovation und weniger Administration.
Dieser ambitionierte Kurs setzt voraus, dass wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit noch sorgfältiger entwickeln und dafür sorgen, dass sie genau verstehen, an welchen Werten sich unser Unternehmen orientiert. Schon bislang stand unser Konzern für gute, für richtige Werte. Um diese jedoch in der Praxis als echte Rahmenbedingungen für unser Handeln nutzen zu können, haben wir sie vereinfacht. Das Ergebnis ist das Wort „LIFE“. Es basiert unmittelbar auf unserer Mission „Science For A Better Life“. „Science“ steht für uns als Erfinderunternehmen und unser klares Bekenntnis zu Forschung und Innovation, „Life“ hingegen umschreibt unsere Verhaltensweise gegenüber unseren Stakeholdern.
Das „L“ in LIFE steht für „Leadership“ – also Führung. Wir meinen damit die Bereitschaft, Leistung zu bringen, eine Richtung vorzugeben und Verantwortung zu übernehmen. „I“ wie „Integrität“ bedeutet, dass wir die Erwartungen aller Interessengruppen zum Ausgleich bringen und ausnahmslos Regeln und Gesetze befolgen. Denn nur so hat unser Geschäft eine solide und glaubwürdige Basis. Das „F“ in LIFE steht für die „Flexibilität“, Veränderungen anzunehmen, sie als Chance zu begreifen und die notwendigen Anpassungen vorzunehmen. Der letzte Buchstabe ist ein „E“ für „Effizienz“. Wir wollen intelligent mit Ressourcen umgehen. Und Dinge so einfach und effektiv wie möglich machen.
Zusammengefasst: Wir verfolgen ein evolutionäres Ziel. Wir werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch besser entwickeln, und durch die angekündigten Effizienzmaßnahmen gewinnen wir den finanziellen Spielraum, um fokussiert in unsere Zukunft zu investieren.
Sehr geehrte Aktionäre, ein solides Jahr nach der Krise liegt hinter uns, und wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, unsere zukünftigen Chancen im globalen Wettbewerb optimal zu nutzen. Ich bedanke mich im Namen des Vorstands und des gesamten Unternehmens für Ihr Vertrauen und würde mich sehr freuen, wenn Sie uns auch zukünftig in unserem Engagement für Bayer unterstützen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Marijn Dekkers
Vorstandsvorsitzender der Bayer AG
Letzte Änderung: 28. Februar 2011

http://www.geschaeftsbericht2010.bayer.de/de/brief-an-die-aktionaere.aspx

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