Lagebericht
Konzernlagebericht

11.3 Konjunkturausblick

Gesamtwirtschaft

Für das Jahr 2011 rechnen wir mit einer Fortsetzung der weltweiten wirtschaftlichen Erholung. Das Tempo der wirtschaftlichen Expansion dürfte sich aber gegenüber dem Vorjahr verlangsamen. In vielen Ländern wird der expansiv ausgerichtete geldpolitische Kurs noch beibehalten werden und somit die Konjunktur stützen; vonseiten der Fiskalpolitik jedoch sind in den meisten Ländern keine Wachstumsimpulse mehr zu erwarten. Es ist zu bedenken, dass erneute Spannungen an den Finanzmärkten sowie kräftige Preissteigerungen bei Erdöl und Rohstoffen die Konjunkturentwicklung im Jahr 2011 gefährden könnten. Diese Abwärtsrisiken sind zum Jahresende 2010 jedoch eher als gering einzuschätzen.
Die Schwellenländer dürften auch im kommenden Jahr starke Impulse für die Konjunkturbelebung geben. Wir rechnen damit, dass sich die Wachstumsraten in den Schwellenländern zwar in den kommenden Monaten verringern, grundsätzlich aber ein hohes Niveau halten werden. Hauptsächlich die großen Schwellenländer, allen voran China, sollten auch 2011 der Wachstumsmotor der Weltwirtschaft bleiben. Für die Industriestaaten erwarten wir, dass sich die wirtschaftliche Erholung bei geringer Dynamik insgesamt fortsetzen wird, jedoch mit einer sehr heterogenen Entwicklung in den einzelnen Ländern. Die Aussichten für die US-Wirtschaft haben sich zum Jahreswechsel 2010/2011 deutlich verbessert. Die zu erwartende Konjunkturdynamik dürfte aber zunächst noch keine durchgreifende Verbesserung des Arbeitsmarktes zur Folge haben. Für Japan sind die Wachstumsperspektiven eher mäßig einzuschätzen. Die Wirtschaft im Euroraum dürfte durch die Schuldenkrise in einigen Ländern auch im Jahr 2011 noch stark belastet sein. Wir rechnen deshalb insgesamt nur mit einem moderaten Wachstum. Dabei sollte sich in den dynamischeren Staaten der EU, insbesondere in Deutschland, die Konjunktur durch eine sich erholende Binnennachfrage festigen, während in anderen Euroländern der durch die Staatsschuldenkrise ausgelöste Konsolidierungskurs die Binnennachfrage weiterhin deutlich schwächen wird.

HealthCare

Für den Pharmamarkt erwarten wir im Jahr 2011 ein Wachstum im mittleren einstelligen Bereich. Dieses Wachstum dürfte zunehmend von Ländern wie China, Brasilien, Mexiko, Südkorea, Indien und Russland ausgehen. In den klassischen Märkten wie den USA und den großen europäischen Ländern hingegen rechnen wir aufgrund der Patentabläufe führender Produkte verschiedener Pharmaunternehmen, des Rückgangs an Neueinführungen und des zunehmenden Kostendrucks vonseiten der Gesundheitsinstitutionen lediglich mit einem Wachstum im unteren einstelligen Bereich.
Für das Jahr 2011 erwarten wir für den Consumer-Care-Markt wieder ein höheres Marktwachstum als in 2010, ausgelöst hauptsächlich durch die stärkere Marktdurchdringung in Osteuropa und Nordamerika. Der Diabetes-Care-Markt dürfte wegen des anhaltenden Preisdrucks in den USA in 2011 nur ein sehr geringes Wachstum aufweisen. Für den Animal-Health-Markt erwarten wir hingegen für 2011 erneut ein überdurchschnittliches Wachstum.

CropScience

Für den globalen Saatgut- und Pflanzenschutzmarkt sehen wir für das Jahr 2011 eine positive Entwicklung voraus. Basierend auf der Annahme eines normalen Witterungsverlaufs erwarten wir ein robustes Marktwachstum für Agrarchemikalien sowie für Saatgut und Pflanzeneigenschaften (Traits). Wir gehen davon aus, dass dieser Zuwachs vorrangig auf positiven Mengeneffekten basieren wird.
Trotz der beobachteten Schwankungen auf den Weltagrarmärkten bewegen wir uns aufgrund der deutlich angestiegenen Preise für Agrarrohstoffe in einem zunehmend freundlicheren Marktumfeld. Dies ist, vor dem Hintergrund begrenzter Anbauflächen, hauptsächlich auf eine stetig steigende Nachfrage nach Nahrungs- und Futtermitteln sowie pflanzlichen Energierohstoffen zurückzuführen.
Die insgesamt positiven Rahmenbedingungen dürften die Nachfrage nach höherwertigem Saatgut und damit einhergehend nach Pflanzenschutzmitteln stimulieren und die Landwirte zu einer Intensivierung der Produktion anregen.
Regional betrachtet erwarten wir den größten Impuls in Lateinamerika, wo vor allem der Anbau von Sojabohnen gegenüber dem Vorjahr weiter steigen dürfte. Auch in der Region Asien/Pazifik wird mit einer Ausweitung der Pflanzenproduktion gerechnet. Dies betrifft vor allem Reis, Getreide und Baumwolle, aber auch Spezialkulturen wie Obst und Gemüse. Für die Märkte in den industrialisierten Regionen der nördlichen Hemisphäre prognostizieren wir für 2011 hingegen ein nach wie vor geringes Wachstumspotenzial.

MaterialScience

Für 2011 rechnet MaterialScience mit einer weiteren Festigung der globalen Hauptabnehmerbranchen. Unser besonderes Augenmerk wird sich auf die dynamischen Märkte in Asien (z. B. China, Indien) richten. Wir setzen aber auch auf eine fortschreitende Nachfragebelebung in Nordamerika und Europa.
Die Automobilindustrie wird ihren Erholungskurs fortsetzen. 2011 dürfte mit etwa 60 Millionen verkauften Autos ein neuer Rekordwert erzielt werden. Auf nahezu allen Märkten, mit Ausnahme Westeuropas, sollten Nachfrage und Produktion deutlich schneller anziehen als noch vor wenigen Monaten von Experten erwartet. China wird weltweit der wichtigste Produktionsstandort bleiben, die Hersteller planen ihre Kapazitäten auf 17 Millionen Fahrzeuge – mehr als in der gesamten EU – im Jahr 2012 weiter auszubauen.
Für die globale Elektroindustrie erwarten wir ein robustes Wachstum, wobei China und Indien auch im Jahr 2011 die wichtigsten Wachstumstreiber bleiben. Jedoch werden auch die Industriestaaten weiterhin von der globalen wirtschaftlichen Erholung profitieren und einen Teil des hohen Auftragsbestandes von 2010 mit in das Jahr 2011 nehmen.
In der Bauindustrie rechnen wir für das Jahr 2011 mit einer spürbaren Erholung. Die anhaltend robuste Entwicklung in den aufstrebenden Märkten, gepaart mit der Rückkehr zu positiven Wachstumsraten in den gesättigten Märkten wie Europa und Nordamerika, dürfte insgesamt zu einer erfreulichen globalen Entwicklung führen.
Für die Möbelindustrie erwarten wir im kommenden Jahr eine Fortsetzung der bereits 2010 erkennbaren Marktaufhellung. Weiterhin erfreulich dürften sich die großen Wachstumsregionen in Asien entwickeln, die nicht nur von ihrer steigenden Binnennachfrage, sondern auch von der zunehmenden Erholung des internationalen Konsums profitieren werden. Aber auch in den aufstrebenden Märkten in Osteuropa, Nahost und Lateinamerika sollte eine positive Einkommensentwicklung weiteres Absatzpotenzial für die Möbelindustrie erschließen.
Letzte Änderung: 28. Februar 2011

http://www.geschaeftsbericht2010.bayer.de/de/Konjunkturausblick.aspx

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